Weltpolitik

Australien misshandelt laut Menschenrechtler Asylsuchende

Menschenrechtler haben den Umgang Australiens mit Flüchtlingen scharf kritisiert. Die 1.200 in ein Internierungslager auf der Pazifikinsel Nauru gebrachten Flüchtlinge würden vernachlässigt und attackiert, berichteten Amnesty International und Human Rights Watch am Mittwoch. Sie hatten verdeckte Berichterstatter auf die Insel entsandt, wie sie mitteilten.

Die Berichterstatter hätten mit 80 in dem Lager festgehaltenen Flüchtlingen gesprochen. "Man kann das Ganze nur als absichtlichen und systematischen Missbrauch bezeichnen", sagte Anna Neistat von Amnesty dem Sender ABC. Den Menschen werde oft auch in Notlagen ärztliche Hilfe verwehrt, sie erhielten wenig Informationen und seien ständigen Attacken von Einheimischen ausgesetzt. Viele seien der Verzweiflung nahe, Selbstmordversuche an der Tagesordnung.

"Wir weisen die Vorwürfe auf das Schärfste zurück", sagte ein Sprecher der Einwanderungsbehörde. Australien bezahlt den Pazifikstaat Nauru dafür, dass er das Internierungslager unterhält. Die Regierung habe keine Kontrolle über die Rechtsstaatlichkeit von Nauru, unterstütze die dortigen Behörden aber. Australien unterhält dort und auf der Insel Manus in Papua-Neuguinea Lager für Asylsuchende, die versuchen, per Boot nach Australien zu gelangen und auf offenem Meer abgefangen werden. Die Regierung betont, dass niemand auf diesem Wege in Australien Asyl erhalte. Vielmehr versuchen die Behörden, die Menschen gegen Bezahlung etwa in Kambodscha unterzubringen.

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) hatte das "australische Modell" im Juni ins Spiel gebracht, um das Flüchtlingsproblem an Europas Außengrenzen zu lösen. Kritik von Menschenrechtlern an diesem Modell bezeichnete er als "halbe Wahrheit". Europa sollte bei der Unterbringung der Flüchtlinge zwar "wesentlich besser und menschlicher sein" als Australien, doch sei auch wahr, dass auf dem Weg nach Australien keine Flüchtlinge mehr ertränken und viele Flüchtlinge legal ins Land gebracht werden. "Man sollte nicht den Fehler machen zu glauben, dass unser System perfekt ist."

Quelle: Apa/Dpa

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