Weltpolitik

Belagerungsring um Mosul wird enger

Irakische Soldaten und kurdische Kämpfer haben am Mittwoch versucht, den Belagerungsring um Mosul enger zu ziehen. Die Einheiten standen nach Armeeangaben im Norden zwei Kilometer vor der Millionenstadt, im Osten wurde direkt an der Stadtgrenze gekämpft. Im Süden waren die irakischen Streitkräfte rund 30 Kilometer entfernt. Internationale Hilfsorganisation warnten vor massiven Fluchtbewegungen.

Belagerungsring um Mosul wird enger SN/APA (AFP)/BULENT KILIC
Hilfsorganisationen warnen vor massiven Fluchtbewegungen.

Im bereits eroberten Gogjali am östlichen Stadtrand von Mosul im Nordirak schwenkte ein irakischer Soldat eine schwarze Flagge der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), die aus ihrer Hochburg vertrieben werden soll. "Wir haben sie weggenommen und stattdessen eine irakische Flagge gehisst", sagte der Soldat. In der Nähe von Gogjali war das Feuer automatischer Gewehre zu hören, Anzeichen für eine rasche Offensive Richtung Innenstadt gab es nicht. Im Osten von Mosul war es irakischen Eliteeinheiten am Dienstag nach eigenen Angaben erstmals gelungen, auf das Stadtgebiet vorzudringen.

Nach Angaben von Anrainern treiben Kämpfer des IS in und um Mosul Zivilisten zusammen, um sie womöglich als menschliche Schutzschilde gegen die vorrückenden irakischen Truppen einzusetzen. Im Gebiet östlich von Mosul hätten IS-Kämpfer vor allem junge Leute aufgefordert, sich in Schulen zu versammeln und ihre Ausweispapiere mitzubringen. Die Jihadisten hätten vor, sich bei der Rückeroberung von Mosul durch irakische Regierungstruppen unter die Zivilisten zu mischen und mit ihnen zusammen zu fliehen.

Das Menschenrechtskommissariat der Vereinten Nationen hatte der Terrormiliz bereits am Dienstag vorgeworfen, tausende Zivilisten zwangsweise nach Mosul zu bringen, um sie womöglich als menschliche Schutzschilde einzusetzen.

Westlich von Mosul kämpfen schiitische Milizen, die dem IS Rückzugswege Richtung Syrien versperren sollen. Der IS verfügt Schätzungen zufolge in Mosul über bis zu 5.000 Kämpfer. Die Jihadisten hatten Mosul im Sommer 2014 erobert. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat der IS Zehntausende Zivilisten verschleppt, um sie womöglich als menschliche Schutzschilde einzusetzen.

Angesichts der Kämpfe um Mosul stellen sich Hilfsorganisationen auf eine massive Fluchtbewegung ein. "Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor", erklärte der Direktor des Norwegischen Flüchtlingsrats (NRC), Wolfgang Gressmann. "Das Leben von 1,2 Millionen Menschen ist in großer Gefahr."

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) teilte mit, seit dem Beginn der Offensive Mitte Oktober seien bereits mehr als 20.000 Menschen vertrieben worden. "In den vergangenen Wochen haben Tausende ihre Wohnungen verlassen, Familien wurden auseinandergerissen, viele Zivilisten verletzt oder durch Heckenschützen oder Sprengsätze getötet", erklärte Gressmann.

Die kurdischen Regionen im Irak hätten seit dem Beginn des IS-Vormarsches 2014 mehr als 250.000 syrische Flüchtlinge und 1,5 Millionen Vertriebene aus dem Irak aufgenommen, erklärte die Hilfsorganisation Misereor. Die medizinische Versorgung sei bereits unzureichend, es fehle an Medikamenten. Ein Viertel der Partner der Weltgesundheitsorganisation WHO habe im Juli aufgrund fehlender Geldmittel die Arbeit reduzieren oder ganz einstellen müssen.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

Aufgerufen am 21.11.2018 um 09:12 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/belagerungsring-um-mosul-wird-enger-923950

Schlagzeilen