Weltpolitik

Berlin-Anschlag: Polizei fasst Kontaktmann von Anis Amri

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Attentäter von Berlin, Anis Amri, hat es eine Festnahme in der deutschen Hauptstadt gegeben.

Das bestätigte am Mittwoch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Zuvor hatte es geheißen, dass es sich bei dem Festgenommenen um einen Kontaktmann von Amri handelt. Es soll sich um einen 40-jährigen Tunesier handeln, der in Berlin lebt.

Demnach durchsuchten Ermittler des Bundeskriminalamts auf Grundlage eines Beschlusses des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs Wohn- und Geschäftsräume des Mannes. Nach Informationen des "Spiegel" lebt der Verdächtige in Berlin-Tempelhof.

Im Mobiltelefon Amris, das am Tatort gefunden worden war, sei die Nummer des Festgenommenen gespeichert gewesen, erklärte die Bundesanwaltschaft. Die Ermittlungen deuteten darauf hin, dass er in den Anschlag eingebunden gewesen sein könnte. Inwieweit sich der Verdacht erhärten lasse, bleibe abzuwarten. Bis Donnerstag werde geprüft, ob ein Haftbefehl beantragt werde, hieß es.

Die italienische Polizei veröffentlichte unterdessen ein zweites Bild des mutmaßlichen Berlin-Attentäters, das von Videokameras am Bahnhof Porta Nuova in Turin aufgenommen wurde. Zu sehen ist der schwarzgekleidete Tunesier mit einem Rucksack und einer Kapuze am Kopf.

Das Bild wurde am 22. Dezember um 22.14 Uhr aufgenommen. Amri soll von Turin aus einen Regionalzug nach Mailand genommen haben. Danach reiste er mit einem Bus weiter nach Sesto San Giovanni, einer Kleinstadt nördlich von Mailand, wo er bei einer Polizeikontrolle erschossen wurde. Die Ermittler hatten bereits am Dienstag das Foto Amris, das am Freitag um 0.58 Uhr auf dem Mailänder Hauptbahnhof aufgenommen worden war, veröffentlicht.

Der Tunesier soll von Lyon über Chambery nach Italien gelangt sein. In der Bergortschaft Bardonecchia nahe Turin soll er kurz gehalten haben, um dann nach Turin zu gelangen.

Der mutmaßliche Berlin-Attentäter war zuvor bei seiner Flucht offenbar auch durch die Niederlande gereist. Der Tunesier sei in der Nacht zum 22. Dezember von der niederländischen Stadt Nimwegen mit einem Fernbus ins ostfranzösische Lyon gefahren, verlautete am Mittwoch aus französischen Ermittlerkreisen. Nimwegen liegt nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Wie Amri von Berlin aus dorthin gelangte, war zunächst unklar.

Immer mehr Details werden auch zu Amris Aufenthalt in Deutschland und dessen Flucht nach der Tat bekannt. So soll Amri offenbar auch durch die Niederlande geflüchtet sein. Der Tunesier sei in der Nacht zum 22. Dezember von der niederländischen Stadt Nimwegen mit einem Fernbus ins ostfranzösische Lyon gefahren, verlautete am Mittwoch aus französischen Ermittlerkreisen. Nimwegen liegt nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen.

Der Bus fuhr den französischen Ermittlern zufolge zum Bahnhof Lyon-Part-Dieu, wo Amri später von einer Überwachungskamera gefilmt wurde. Von Lyon aus fuhr der 24-Jährige mit dem Zug in die französische Alpenstadt Chambéry und dann nach Italien. Er wurde schließlich in der Nacht zum 23. Dezember bei einer Polizeikontrolle in Mailand erschossen.

Nach Recherchen des Westdeutschen Rundfunks war der Tunesier im Ruhrgebiet deutlich besser vernetzt als bisher angenommen. Er soll während seiner Zeit in Nordrhein-Westfalen ein Dutzend Moscheen besucht haben.

Er soll zudem sehr gute Kontakte nach Dortmund gehabt und einen Schlüssel zu einer Moschee besessen haben, in der er übernachtete. Seit Ende 2015 sei er regelmäßig zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet gependelt.

Amri wurde Freitagnacht von italienischen Polizisten in Sesto San Giovanni nördlich von Mailand erschossen. Statt bei der Personenkontrolle seinen Ausweis zu zeigen, zog er eine scharfe Pistole aus seinem Rucksack und eröffnete das Feuer auf die Beamten. Diese schossen zurück. Nach dpa-Informationen befindet sich die Leiche weiterhin in der Gerichtsmedizin in Mailand, da die Obduktion noch nicht abgeschlossen ist.

Unterdessen wurde bekannt, dass der beim Terroranschlag getötete Lastwagenfahrer aus Polen am Freitag in seiner Heimat beigesetzt wird. Der Trauergottesdienst und die Beerdigung sollen in Banie bei Stettin stattfinden, teilte sein Arbeitgeber, die Speditionsfirma Ariel Zurawski, am Mittwoch auf Facebook mit.

Zugleich dankte die Firma im Namen der Familie von Lukasz Urban für die Beileidsbekundungen und Worte der Unterstützung aus aller Welt. Bilder zeigten auch Kondolenzschreiben aus Deutschland.

Der mutmaßliche Attentäter Anis Amri hatte den Lastwagen am 19. Dezember entführt und als Waffe bei seinem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche eingesetzt. Lukasz Urban wurde erschossen auf dem Beifahrersitz gefunden.

Quelle: Apa/Dpa

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