Weltpolitik

Berlin will Reisewarnung verlängern - Deutsche gegen Grenzöffnung

Keine guten Nachrichten für Österreichs Tourismus: Die deutsche Bundesregierung will laut einem "Spiegel"-Bericht die weltweite Reisewarnung wegen der Coronavirus-Pandemie bis Mitte Juni verlängern. Eine aktuelle YouGov-Umfrage zeigt, dass dies auch im Sinne der deutschen Bevölkerung wäre. Fast 50 Prozent sprechen sich demnach sogar gegen eine Grenzöffnung im Sommer aus.

Grenzkontrollen auf dem kleinen Walserberg. SN/chris hofer
Grenzkontrollen auf dem kleinen Walserberg.

Der "Spiegel" beruft sich in seinem Bericht vom Mittwoch auf einen entsprechenden Beschlussvorschlag, den das Auswärtige Amt (AA) kurz vor der Kabinettssitzung unter den Bundesministerien abgestimmt habe. Demnach heiße es in der Beschlussvorlage, die bisher gültige Reisewarnung gelte "bis auf weiteres", mindestens aber bis Mitte Juni.

Vor diesem Datum solle die Lage noch einmal neu bewertet werden, dazu wolle man sich vor allem mit den EU-Nachbarn eng abstimmen. Die Verlängerung soll laut "Spiegel" an diesem Mittwoch vom Kabinett verlängert werden, mindestens bis zum 14. Juni.

Dem Bericht zufolge lässt das Papier aus dem Auswärtigen Amt allerdings offen, ob Urlaubsreisen während der Sommerferien möglich sein werden, die in manchen Bundesländern schon Ende Juni beginnen. Wer allerdings für Pfingsten Ende Mai eine Auslandsreise gebucht habe, könne diese jetzt stornieren und sich auf die Reisewarnung berufen.

Fast jeder zweite Deutsche lehnt unterdessen eine Öffnung der Grenzen auch für den Sommerurlaub im europäischen Ausland ab. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sind 48 Prozent dafür, die wegen der Corona-Pandemie erlassene Ausreisesperre für Touristen auch im Sommer aufrecht zu erhalten.

20 Prozent sind für eine Öffnung der Grenzen zu einzelnen Ländern. Nur 13 Prozent plädieren dafür, schon im Sommer den Reiseverkehr innerhalb der Europäischen Union wieder vollständig zu erlauben. Fast ein Drittel der Deutschen (31 Prozent) haben ihre Urlaubspläne für den Sommer laut Umfrage bereits über den Haufen geworfen.

In Österreich drängt die Tourismusindustrie auf eine Grenzöffnung. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hat eine entsprechende bilaterale Vereinbarung mit Deutschland für die Sommersaison ins Spiel gebracht, aber von der Entwicklung der Infektionszahlen abhängig gemacht.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nannte Deutschland und Tschechien als Länder für eine solche Vereinbarung, betonte aber, dass bei der Grenzöffnung "behutsam" vorgegangen werden müsse.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas hat mehrfach deutlich gemacht, dass sich bisher keine Änderung der derzeitigen Situation abzeichnet: "Eine normale Urlaubssaison mit vollen Strandbars und vollen Berghütten wird es diesen Sommer nicht geben können." Auch im Inland sind derzeit noch keine Urlaubsreisen möglich, die Hotels sind geschlossen.

Quelle: Apa/Dpa

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