Weltpolitik

Bewaffnete töteten im Kongo mehr als 50 Menschen

Bei einem Massaker an Zivilisten im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind nach Angaben von Aktivisten mehr als 50 Menschen getötet worden. "Unsere Leute vor Ort haben 51 mit Macheten niedergemetzelte Leichen gefunden", sagte der Aktivist Teddy Kataliko am Montag. Die kongolesische Regierung machte Islamisten dafür verantwortlich.

Kataliko sprach im Namen eines Bündnisses aus Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften, die in Beni arbeiten. Zu der von ihm angegebenen Zahl von 51 Todesopfern sagte Regierungssprecher Lambert Mende, diese sei "unmöglich objektiv zu überprüfen".

Mende selbst hatte am Sonntag von 36 Toten gesprochen. Der Bürgermeister von Beni, Edmond Masumbuko, gab die Zahl der Opfer anschließend mit 42 an. Beni liegt in der Unruheprovinz Nord-Kivu, die seit Jahren von Gewalt erschüttert wird. Die Regierung rief drei Tage Staatstrauer aus. In Beni waren am Montag die Geschäfte geschlossen.

Die Regierung wertete den Überfall als Racheaktion der islamistisch inspirierten Rebellengruppe ADF aus dem Nachbarland Uganda. Staatschef Joseph Kabila wollte die Stadt Beni am Montag nach einem Sicherheitstreffen in Goma, der Hauptstadt von Nord-Kivu, besuchen.

Die Bewohner der Stadt hatten am Sonntag aufgebracht auf das Massaker reagiert: Dutzende Demonstranten warfen den Behörden auf einer Kundgebung vor, sie schutzlos den Rebellen auszuliefern. "Es gibt hier einen eklatanten Mangel an Sicherheit", sagte der Menschenrechtsaktivist Gilbert Kambale. Er verwies darauf, dass Präsident Kabila die Stadt erst drei Tage vor dem Überfall besucht habe. "Es ist beunruhigend: Erst kommt der Präsident der Republik, und dann werden wir massakriert."

Nach Augenzeugenberichten trugen die Demonstranten den Leichnam eines der Opfer durch die Straßen von Beni. Sie skandierten regierungskritische Slogans und zündeten Autoreifen an.

Die Regierung machte Islamisten für das Blutbad verantwortlich: Mende sagte am Sonntag, der Angriff müsse die Welt "auf die jihadistische Bedrohung" in der Demokratischen Republik Kongo aufmerksam machen. Durch die "Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft" stehe die Armee seines Landes im Kampf gegen die Rebellen alleine da.

Armeesprecher Mark Hazukay sprach von einem "Massaker an der Zivilbevölkerung", mit dem sich die ADF für vorangegangene Einsätze der Armee habe rächen wollen. Die Angreifer hätten sich am Samstagabend an Posten der Armee vorbeigeschlichen und in einem Ort am Rande der Stadt Beni zugeschlagen.

Die Rebellengruppe Alliierte Demokratische Kräfte (ADF) stammt ursprünglich aus Uganda, in ihren Reihen finden sich auch islamistische Kämpfer. Die ADF wird für eine Serie von Gewalttaten in der Region verantwortlich gemacht, bei denen seit Oktober 2014 mehr als 600 Zivilisten getötet wurden. Aber auch den Regierungstruppen und anderen bewaffneten Gruppen werden Übergriffe auf die Zivilbevölkerung vorgeworfen.

Die UNO-Kongo-Mission MONUSCO verurteilte den Überfall vom Samstagabend als "barbarischen Akt gegen die Zivilbevölkerung". Sie bekräftigte ihre Unterstützung für die kongolesischen Sicherheitskräfte "für den Schutz der Zivilbevölkerung in Beni".

Quelle: Apa/Ag.

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