Weltpolitik

Bilder von der Räumung des "Dschungels" in Calais

Am ersten Tag der Räumung des illegalen Flüchtlingscamps im nordfranzösischen Calais haben über 2.000 Migranten das Lager verlassen. "1.918 Erwachsene haben Calais in 45 Bussen verlassen, um in 80 Erstaufnahmezentren zu gelangen", sagte Innenminister Bernard Cazeneuve am Montagabend in Paris.

Hinzu kämen 400 unbegleitete Minderjährige, die in ein provisorisches Aufnahmezentrum gebracht worden seien. Für sie gelten spezielle Asylregeln. Frankreich dringt auf Familienzusammenführung für Kinder und Jugendliche, die Angehörige in Großbritannien haben.

Am Montagfrüh hatte die Auflösung des als "Dschungel" bekannt gewordenen Flüchtlingslagers begonnen. Zuletzt hatten dort etwa 6.500 Migranten in einer Zelt- und Hüttensiedlung gelebt. Sie hatten versucht, illegal nach Großbritannien einzureisen. Nun verteilen die französischen Behörden die Menschen auf Flüchtlingsheime im ganzen Land.

Die Behörden selbst bezeichnen die Auflösung des Lagers als "riskante Operation". 1.250 Polizisten waren im Einsatz, um die Räumung des "Dschungels" abzusichern. In den vergangenen Nächten hatten sich Flüchtlinge immer wieder Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. In der Nacht auf Montag setzte die Polizei rund 120 Tränengasgranaten ein.

Beobachter befürchten, dass sich die Lage in den kommenden Tagen verschärfen könnte. Rund 2.000 der Flüchtlinge wollten die Region nicht verlassen, weil sie heimlich nach Großbritannien gelangen wollten, sagte der Leiter der Organisation L'Auberge des Migrants (Herberge der Flüchtlinge), Christian Salome. Ein Sprecher des Innenministeriums wies diese Zahl entschieden zurück. Aber auch der sozialistische Abgeordnete Yann Capet mahnte: "Seit heute Morgen läuft alles ruhig. Wir werden sehen, wie es in den kommenden Tagen läuft."

Die Behörden drohen Flüchtlingen, die das Lager nicht verlassen, mit einer Festnahme und Ausweisung aus Frankreich. Schon am Dienstag sollen erste Zelte und Hütten abgerissen werden, in denen die Flüchtlinge bisher wohnten.

Calais ist schon seit Jahren ein Brennpunkt in der Flüchtlingskrise. Hier harren viele Flüchtlinge aus, die über den Ärmelkanal oder durch den Eurotunnel heimlich nach Großbritannien gelangen wollen. Bereits in der Vergangenheit wurden immer wieder Flüchtlingscamps geräumt - kurze Zeit später entstanden dann neue Lager. Auch nach der Räumung des "Dschungels" dürften viele Flüchtlinge in der Region bleiben, um sich nach Großbritannien durchzuschlagen.

Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge können zunächst noch in von den Behörden aufgestellten Wohncontainern am Rande des "Dschungels" bleiben. Viele dieser jungen Flüchtlinge haben bereits Verwandte in Großbritannien und könnten im Zuge der Familienzusammenführung dort aufgenommen werden. In der vergangenen Woche kamen bereits knapp 200 Minderjährige aus Calais nach Großbritannien.

Quelle: Apa/Ag.

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