Weltpolitik

Breite Debatte über Konsequenzen aus Würzburger Angriff

Die Axt-Attacke von Würzburg in Deutschland hat eine breite Diskussion über nötige Konsequenzen ausgelöst. Dabei wurden sowohl Forderungen nach schärferen Kontrollen der EU-Außengrenzen und der deutschen Grenzen als auch nach Konsequenzen bei der Jugendhilfe erhoben.

Breite Debatte über Konsequenzen aus Würzburger Angriff SN/APA (dpa)/Karl-Josef Hildenbrand
Die Attacke von Würzburg löste Diskussionen aus.

Unterdessen stabilisierte sich am Donnerstag die Situation von zwei der durch den 17-jährigen Angreifer lebensgefährlich Verletzten - eines der Opfer konnte in der Universitätsklinik Würzburg aus dem künstlichen Koma geholt werden.

Wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwochabend im Bayerischen Fernsehen sagte, gab es bei dem von der Polizei getöteten Angreifer im Asylverfahren keine nähere Informationsgewinnung zu seiner Person. Es habe keine Anhörung stattgefunden, auch seien keine Fingerabdrücke genommen worden.

Als Konsequenz forderte Herrmann einen rigoroseren Umgang mit Flüchtlingen mit unklarer Identität schon bei ihrer Einreise nach Deutschland. Wenn jemand überhaupt keine Papiere habe, müsse er seines Erachtens zunächst an der Grenze festgehalten und überprüft werden. "Das können wir nicht mehr so laufen lassen."

Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) forderte im ZDF-"Morgenmagazin" mit Blick auf im vergangenen Jahr unkontrolliert eingereiste Flüchtlinge, nun im Rahmen des Asylverfahrens eine klare Identitätsfeststellung zu gewährleisten, "auch mit einer Sicherheitsüberprüfung". Dies sei allerdings schwierig, weil für Fingerabdrücke meist keine Vergleichsdateien vorlägen und damit nicht geprüft werden könne, ob jemand in seinem Herkunftsland strafrechtlich in Erscheinung getreten sei.

De Maiziere forderte zudem stärkere Kontrollen an den EU-Außengrenzen. Die Staats- und Regierungschefs der EU hätten bereits die Schaffung eines Ein- und Ausreiseregisters beschlossen, an dessen Umsetzung "mit Hochdruck" gearbeitet werde. "Der Weg, den wir in der Flüchtlingspolitik gehen, ist, dass wir die illegale Migration nicht wollen und durch legale Migration ersetzen wollen."

Der aus Afghanistan stammende Flüchtling hatte am Montagabend insgesamt fünf Menschen mit Axt- und Messerhieben verletzt, zwei von ihnen lebensgefährlich. Wie der ärztliche Direktor der Universitätsklinik Würzburg, Georg Ertl, vor Journalisten sagte, stellte sich bei einem der beiden "eine gewisse Besserung" ein. Er sei aus dem künstlichen Koma geholt werden, es sei "demnächst" auch Kommunikation mit der Familie möglich.

Der andere der beiden müsse wohl noch eine weitere Woche oder zehn Tage im künstlichen Koma bleiben. Es müsse auch im Heilungsverlauf abgewartet werden, wie sehr die beiden der unvermittelte Angriff des Täters seelisch mitgenommen habe. Eine nach dem Angriff in Nürnberg im Krankenhaus untergebrachte Patientin sollte am Donnerstag ebenfalls nach Würzburg verlegt werden, bei der Chinesin sei der Zustand stabil.

Der deutsche Justizminister Heiko Maas (SPD) warnte unterdessen in der "Bild"-Zeitung vom Freitag vor vorschnellen Urteilen über ein Scheitern der Integrationspolitik. "Es wäre ein großer Fehler, die Integration jetzt vorschnell für komplett gescheitert zu erklären, im Gegenteil, Bildung und Sprache gehören zu den besten Mitteln gegen Radikalisierung." Die große Mehrheit der Terroristen, die Anschläge in Europa verübt haben, seien hier aufgewachsen. "Jetzt alle Flüchtlinge pauschal unter Generalverdacht zu stellen, würde den Integrationsprozess weiter erschweren."

Der Städte- und Gemeindebund forderte aber gegenüber der "Passauer Neuen Presse", mit Blick auf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein "Frühwarnsystem" aufzubauen. Nur so könnten Radikalisierungstendenzen früher erkannt werden. "Das System der Jugendhilfe ist dafür nicht geeignet", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg.

Quelle: Apa/Ag.

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