Weltpolitik

China erwägt Unterstützung Assads bei Idlib-Offensive

China zieht in Betracht, die Truppen von Syriens Machthaber Bashar al-Assad dabei zu unterstützen, die Kontrolle in der Provinz Idlib und anderen von Rebellen gehaltenen Gebieten zurückzuerobern. Dies sagte Qi Quianjin, Botschafter zu Damaskus, am Mittwoch der regierungstreuen syrischen Tageszeitung "Al-Watan", wie die Organisation MEMRI (The Middle East Media Research Institute) berichtete.

Der Botschafter drückte laut dem auf die Beobachtung der Nahost-Region spezialisierten Institut gegenüber der Zeitung seine Unterstützung für Syriens "Krieg gegen Terroristen aus aller Welt" aus, zu denen auch Kämpfer aus China gehörten. Er merkte an, dass es in dieser Hinsicht bereits eine Kooperation zwischen der syrischen und der chinesischen Armee gegeben habe. Die Zusammenarbeit "zwischen den Armeen und (anderen) relevanten Elementen" werde in Zukunft weitergeführt, so der Botschafter.

Gefragt, ob die Möglichkeit bestünde, dass China sich an der von Assad geplanten Offensive in Idlib beteilige, antwortete Qi, China verfolge die Situation in Syrien - "besonders seit dem Sieg im Süden Syriens" - und das Militär sei gewillt, "sich auf die eine oder andere Weise einzubringen an der Seite der syrischen Armee, die die Terroristen in Idlib und anderen Regionen Syriens bekämpft".

"Al-Watan" zitierte laut MEMRI auch den chinesischen Militärattaché in Syrien, Wong Roy Chang, demzufolge China wünscht, die Beziehungen zu Syriens Armee zu verbessern. Wong habe zudem sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass chinesische Uiguren in Syrien am Kampf gegen das Assad-Regime teilnehmen, hieß es. Auch er unterstrich die guten Beziehungen zwischen den Ländern und die fortlaufende militärische Kooperation.

"Was eine Beteiligung an der Idlib-Operation betrifft, wird eine politische Entscheidung benötigt", wurde Wong zitiert. Er bestritt, dass derzeit chinesische Militärberater oder Spezialeinheiten in Syrien seien.

Auch das Nachrichtenportal "Asia Times" mit Sitz in Hongkong berichtete unter Verweis auf "Al-Watan" über die Aussagen der chinesischen Diplomaten. Die Organisation MEMRI hielt fest, dass es sich dabei nicht um die ersten Berichte über chinesische Militärhilfe für Syrien handle. Im vergangenen November sei auf der Facebook-Seite des russischen Luftwaffenstützpunktes Hmeimim mitgeteilt worden, dass China plane, Spezialeinheiten nach Syrien zu entsenden, um Kämpfer der uigurischen Turkestanischen Islamischen Partei (TIP) in Damaskus zu bekämpfen. Zum damaligen Zeitpunkt habe Botschafter Qi den Bericht bestritten.

Die Uiguren sind eine ethnische Minderheit in China, die in der Provinz Xinjang beheimatet ist. Nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking hatten sich die Kommunisten das frühere Ostturkestan als autonom verwaltete Region einverleibt. Das Turkvolk fühlt sich wirtschaftlich, politisch und kulturell von den herrschenden Han-Chinesen unterdrückt. Ein Teil der Angehörigen des Turkvolks strebt die Unabhängigkeit an.

Zu den Separatisten gehören Mitglieder der Turkestanischen Islamischen Partei (TIP), die die Gründung eines islamischen Staates anstrebt. Die TIP geht gewaltsam gegen die chinesische Regierung vor und gilt als Nachfolgeorganisation des Eastern Turkestan Islamic Movement, das die US-Regierung 2001 und später auch die Vereinten Nationen als Terrororganisation eingestuft haben.

Die Kämpfer der TIP arbeiteten vormals eng mit Al-Kaida nahen jihadistischen Gruppen zusammen und sind in Syrien hauptsächlich in den Regionen Idlib und Latakia aktiv. Idlib im Norden Syriens ist neben den Kurdengebieten im Nordosten und türkisch besetzten Gebieten im Nordwesten einer der letzten Rebellenstützpunkte und zählt zu den sogenannten Deeskalationszonen, die im September 2017 bei Verhandlungen zwischen den Alliierten des Assad-Regimes Russland und dem Iran sowie der Türkei festgelegt worden waren.

Am Mittwoch verkündeten dort die islamistischen Rebellengruppen Tahrir al-Sham und Nur al-Din al-Sinki, sie hätten sich mit vier weiteren Gruppen zur Nationalen Befreiungsfront zusammengeschlossen, um einer drohenden Offensive Assads zu begegnen. Assad hatte zuvor angekündigt, Idlib als nächstes ins Visier zu nehmen. Russlands Syrien-Gesandter Alexander Lawrentiew versicherte dagegen, eine Offensive auf Idlib stehe derzeit nicht zur Debatte.

Quelle: Apa/Ag

Aufgerufen am 21.09.2018 um 04:11 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/china-erwaegt-unterstuetzung-assads-bei-idlib-offensive-38348668

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