Weltpolitik

China ist auf dem Vormarsch

Die Volksrepublik vermittelt im Afghanistan-Konflikt. Sie ist damit schon jetzt erfolgreicher, als es die USA in ihren Bemühungen um Stabilität in der Region je gewesen sind.

Das Reich der Mitte: Chinas Außenminister Wang Yi (Mitte) zeigt sich nach dem Krisentreffen in Peking zusammen mit seinen Kollegen aus Pakistan (rechts) und Afghanistan. AFP SN/APA/AFP/NICOLAS ASFOURI
Das Reich der Mitte: Chinas Außenminister Wang Yi (Mitte) zeigt sich nach dem Krisentreffen in Peking zusammen mit seinen Kollegen aus Pakistan (rechts) und Afghanistan. AFP

Chinesischen Diplomaten ist es gelungen, Afghanistan in einen Dialog über Frieden mit Pakistan und die Bekämpfung des Terrorismus einzubinden. "Wir wissen die Bemühungen Chinas, diese einzigartigen Dreiparteiengespräche ins Leben zu rufen, zu schätzen", sagte der afghanische Außenminister Salahuddin Rabbani in Peking nach einem Treffen mit seinen Kollegen aus China und Pakistan. Die chinesische Regierung hatte zuvor angeboten, Afghanistan in ein milliardenschweres Investitionsprogramm einzubinden. Im neuen Jahr soll es ein Folgetreffen in Kabul geben, zu dem Peking auch Vertreter der Taliban einladen will.

Afghanistan und Pakistan trennt eine Reihe von Konflikten. Die afghanische Regierung wirft dem Nachbarland vor, die radikalen Gruppen der Taliban zu unterstützen und ihnen Unterschlupf zu gewähren. Außerdem gibt es Streit um den Grenzverlauf. Die pakistanische Regierung wiederum misstraut Kabul, weil die dortige Regierung die Unterstützung der USA genießt.

China ist mit seinen Vermittlungen nun bereits erfolgreicher, als die USA es in ihren Bemühungen um größere Ruhe in der Region je waren. Das hat zwei Gründe: Peking fördert die Wirtschaft in kooperationswilligen Nachbarländern, was auch Türen für Gespräche öffnet. Außerdem bemühen sich die Diplomaten des Landes um Ausgleich, während die USA Pakistan zuletzt vor allem harsch angegriffen haben. Im August hat Präsident Donald Trump das Land als Unterstützer von Terroristen gebrandmarkt. China sieht sich dagegen als Freund der Regierung in Islamabad.

Die chinesische Afghanistan-Initiative ist Teil eines größeren Plans. Präsident Xi Jinping verfolgt mit Priorität seine "Seidenstraßen-Initiative". Dabei handelt es sich um einen Dachbegriff für eine Ausdehnung des chinesischen Handels und des politischen Einflusses Chinas in drei Dutzend Ländern.

Ein Kernprojekt ist der China-Pakistan-Wirtschaftskorridor. Dabei geht es um ein 3000 Kilometer langes Gebiet zwischen Kashgar im äußersten Westen Chinas und der pakistanischen Hafenstadt Gwadar. Peking lässt hier in den kommenden Jahren mehr als 50 Milliarden Euro investieren. Geplant sind Straßen und Brücken, Stromleitungen, Ölleitungen, Eisenbahnlinien, Gewerbegebiete, Hightech-Parks und so weiter.

Nun will China Afghanistan in das Vorhaben einbeziehen. "Langfristig werden wir den Pakistan-Korridor mit dem Zentralchinesischen Wirtschaftskorridor und dem Westasiatischen Wirtschaftskorridor durch Afghanistan verbinden", ließ Chinas Außenminister Wang Yi mitteilen. Diese sperrige Aussage zeigt Pekings Ambitionen: Schneisen chinesischer Kontrolle sollen kreuz und quer durch den asiatischen Kontinent laufen. China stoße hier in geschickter Weise in "leere Räume" vor, die der Westen lange Zeit vernachlässigt habe, sagt Sebastian Heilmann, Leiter des Mercator Institute for China Studies (Merics) in Berlin.

Eine Stabilisierung der Lage in Afghanistan liegt derzeit besonders in Chinas Interesse. Die beiden Länder haben eine kurze gemeinsame Grenze. Peking befürchtet, dass islamistische Terroristen im eigenen Land Unterstützung von dort erhalten könnten. Ein Sechstel des afghanischen Gebiets befindet sich unter der Kontrolle der Taliban. Die Bevölkerung der westlichen Provinz Chinas, der Autonomen Region Xinjiang, besteht rund zur Hälfte aus der ethnischen Gruppe der Uiguren. Auch wenn bisher nur wenig von Terroranschlägen zu hören ist: Da Peking dort mit brutaler Unterdrückung herrscht, wäre eine zunehmende Radikalisierung ein denkbares Szenario.

Mit Chinas Afghanistan-Initiative setzt sich jetzt ein Trend der vergangenen Monate fort: Während die USA sich mehr nach innen orientieren und ausländische Partner eher vor den Kopf stoßen, dehnt China seinen Einfluss aus. Ausgangspunkt ist meist die wirtschaftliche Kooperation, aber Peking bringt sich immer öfter auch politisch ein. Obwohl das Land wenig echte Verbündete hat, gelingt es ihm solcherart, ein Netz von belastbaren Beziehungen zu knüpfen.

Aufgerufen am 18.06.2018 um 12:09 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/china-ist-auf-dem-vormarsch-22280431

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