Weltpolitik

Corona infiziert auch die Mächtigen: Diese Staatsoberhäupter wurden positiv getestet

Der britische Premier Boris Johnson, Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro und jetzt US-Präsident Donald Trump: Das Coronavirus macht auch vor Staatsoberhäuptern nicht halt. Es erwischte Politiker, die die Erkrankung zuvor heruntergespielt haben - das Fürchten lehrte es aber nicht jeden von ihnen.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro erkrankte an Corona. Einen rigiden Kurs gegen die Pandemie schlug er dennoch nicht ein. SN/AP
Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro erkrankte an Corona. Einen rigiden Kurs gegen die Pandemie schlug er dennoch nicht ein.

Am Freitag gab Donald Trump bekannt, dass er und seine Frau Melania positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. "Wir werden unsere Quarantäne und Erholung sofort beginnen. Wir werden das GEMEINSAM durchstehen", twitterte der US-Präsident. Auch Melania Trump schrieb "Passt bitte auf euch auf." Trump reiht sich mit seiner Infektion in die Riege jener - zum Teil populistischer bis autoritärer - Staatsoberhäupter ein, die das Virus lange Zeit unterschätzt haben und dann selbst daran erkrankt sind.

Trump lud weiterhin zu großen Partys ohne Maske

Besonders zu Beginn der Coronapandemie hatte Trump die Covid-19-Erkrankung wiederholt mit einer Grippe verglichen, Erkenntnisse von Wissenschaftern als Fake News abgekanzelt und öffentlich mit abstrusen Ideen wie etwa dem Trinken von Desinfektionsmittel für Verwirrung gesorgt. Noch kürzlich lud der Präsident zu Wahlveranstaltungen mit Tausenden von Menschen, das Tragen der Maske war freiwillig. Trump selbst trägt nur selten Mund-Nasen-Schutz, mit der Begründung, ohnehin regelmäßig getestet zu werden. Seine Coronapolitik lobt er indes weiterhin als "guten Job". Dabei ist die Pandemie in den Vereinigten Staaten alles andere als unter Kontrolle. Mit mehr als 7,2 Millionen Infektionen und mehr als 207.000 Toten sind die USA weltweit das Land mit den höchsten Zahlen.

Die Maske legt US-Präsident Donald Trump nicht immer an. SN/AP
Die Maske legt US-Präsident Donald Trump nicht immer an.


Die US-Wahlen finden am 3. November statt, die Erkrankung trifft Trump damit auf der Zielgeraden seines Wahlkampfs um eine zweite Amtszeit. In den kommenden Tagen wären zahlreiche Veranstaltungen geplant. Ob und wie sich seine Coronainfektion auf die Wahl auswirken wird, ist noch offen. Eine jüngste Erhebung aus Brasilien zeigt: Ein lockerer Umgang mit dem Virus und hohe Fallzahlen müssen einem Regierungschef nicht unbedingt schaden.

Bolsonaro: Unbelehrbar durch die Krise

Brasilien zählt mit knapp 145.000 Toten und mehr als vier Millionen Infizierten zu den vom Coronavirus am stärksten betroffenen Ländern der Welt. Dennoch bewerten rund 40 Prozent der Bevölkerung die Amtsführung von Jair Bolsonaro als gut oder sogar großartig, wie aus einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Ibope hervorgeht. Das öffentliche Vertrauen in den Staatschef stieg auf 46 Prozent von 41 Prozent im Dezember. Wie im Juli bekannt wurde, war Bolsonaro selbst infiziert. "Schaut mich an, mir geht es gut", sagte er, als er nach seiner Ansprache vor Journalisten ein paar Schritte zurückging und die Maske abnahm. Er zeigte sich häufig ohne Mundschutz in der Öffentlichkeit, löste Massenaufläufe aus und machte Selfies mit Anhängern. Trotz seiner Infektion machte er keine politische Kehrtwende. Eine seiner ersten Amtshandlungen nach der Erkrankung: Er legte ein Veto gegen mehrere Passagen eines vom Kongress verabschiedeten Gesetzes ein, welches landesweite Vorschriften für das Tragen von Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit enthält.

Noch Ende Mai nahm der brasilianische Präsident Bolsonaro ein Bad in der Menge. SN/AFP
Noch Ende Mai nahm der brasilianische Präsident Bolsonaro ein Bad in der Menge.

Boris Johnson: Im Zickzackkurs gegen das Virus

Auch der britische Premierminister Boris Johnson hatte die Coronapandemie anfangs auf die leichte Schulter genommen, wie international kritisiert wurde. Er werde weiterhin Hände schütteln, hatte er zu Beginn noch verkündet. Ende März wurde bekannt, dass sich der Regierungschef selbst angesteckt hatte. Zunächst arbeitete er isoliert im Regierungssitz in der Downing Street weiter. In seinen Videobotschaften zur Pandemie gab er sich optimistisch, doch kurz darauf musste er sogar auf der Intensivstation behandelt werden. Auch Johnsons schwangere Verlobte Carrie Symonds verbrachte nach eigenen Angaben eine Woche mit leichten Symptomen der Lungenkrankheit im Bett. Die Pandemie nahm Johnson danach deutlich ernster, den zuvor gefahrenen lockeren Kurs beendete er mit Maskenpflicht im Handel und strengen Quarantänemaßnahmen für Einreisende. Doch Experten werfen der Regierung vor, zu spät und falsch reagiert zu haben."Natürlich gibt es Dinge, die wir falsch gemacht haben", räumte Johnson in einem Interview Ende Juli ein. Großbritannien ist mit mehr als 42.000 Toten das am stärksten von der Pandemie betroffene Land in Europa.

Boris Johnson meldete sich Anfang April aus dem „Homeoffice“, danach musste er sogar auf der Intensivstation betreut werden. SN/APA/AFP/-
Boris Johnson meldete sich Anfang April aus dem „Homeoffice“, danach musste er sogar auf der Intensivstation betreut werden.

Lukaschenko: Vom "Schwindel" zur erfolgreichen Genesung

Wie der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko Ende Juli kurz vor den Wahlen verkündete, war auch er mit dem Coronavirus infiziert. Er habe das Virus ohne Symptome gehabt und sei mittlerweile genesen, erklärte er der Agentur Belta zufolge bei einem Treffen mit Militärs. Er scherzte zudem: "Endlich gehöre ich auch zum Goldfonds derjenigen, die das Virus überwunden haben." Der autoritär regierende 65-Jährige hat die Pandemie in der Vergangenheit wiederholt heruntergespielt und das Virus als "Schwindel" bezeichnet. Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wie Ausgangsbeschränkungen oder Grenzschließungen lehnte er ab. Der Umgang Lukaschenkos mit der Pandemie sorgt seit Monaten für Proteste. Knapp 80.000 positive Fälle verzeichnet das Land bislang.

Lukaschenko litt eigenen Angaben zufolge auch an Corona - allerdings ohne Symptome. SN/APA (Archiv/epa)/SERGEI ILNITSKY
Lukaschenko litt eigenen Angaben zufolge auch an Corona - allerdings ohne Symptome.

Berlusconi, First Lady Kanadas und Prinz Albert: Auch sie waren infiziert

Neben führenden Staatsmännern war auch Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi an Corona erkrankt, wie Anfang September vermeldet wurde. Der 84-Jährige wurde nun zu seinem Geburtstag am 29. September erneut getestet - das Ergebnis war negativ. Berlusconi hatte in italienischen Medien seine Coviderkrankung als "schlimmste Erfahrung" seines Lebens bezeichnet. "Ich hatte Angst, es nicht zu schaffen." Glimpflicher kam die First Lady Kanadas davon. Im März wurde Sophie Grégoire Trudeau, die Ehefrau des Präsidenten Justin Trudeau, positiv getestet. Sie habe nur leichte Symptome gehabt, hieß es Sprechern zufolge. Ebenfalls am Virus erkrankt war der Brexit-Chefverhandler Michel Barnier. Die Infektion des EU-Unterhändlers wurde Mitte März bekannt.

Das Virus macht auch vor dem Königshaus nicht halt: Prinz Albert von Monaco erwischte es im April. Das Staatsoberhaupt des Stadtstaats begab sich darauf in eine 14-tägige Quarantäne und regierte vom Palast in Monaco aus. Ende August erkrankte seine Tochter Jazmin Grimaldi - diese allerdings schwer, sodass sie im Krankenhaus behandelt werden musste. In den sozialen Medien appellierte sie, das Virus ernst zu nehmen: "Das Coronavirus ist stark und mysteriös. Ich weiß, dass wir alle die Nase voll davon haben, über Corona zu reden, davon zu hören und in Angst vor dem Virus oder Unglauben daran zu leben. Glaubt mir, ich habe selbst mehr als genug davon. Aber leider habe ich keine Wahl. Hört auf euren Körper!"

Italiens Ex-Premier Berlusconi ließ sich zu seinem Geburtstag erneut testen: Das Ergebnis war negativ. SN/APA (AFP)/TIZIANA FABI
Italiens Ex-Premier Berlusconi ließ sich zu seinem Geburtstag erneut testen: Das Ergebnis war negativ.

Aufgerufen am 27.10.2021 um 06:38 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/corona-infiziert-auch-die-maechtigen-diese-staatsoberhaeupter-wurden-positiv-getestet-93637387

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