Weltpolitik

Corona - Slowenien rudert zurück und lässt die Grenze zum Nachbarland Kroatien offen

Noch ist der Weg nach Kroatien und zurück für Österreicher frei. Slowenien erwägt aber die Grenze zum Nachbarland dann zu schließen, wenn zu viele Coronafälle eingeschleppt würden. Sollte die Zahl weiter steigen, "wird eine Quarantäne für alle eingeführt, die aus Kroatien kommen", sagte Gesundheitsminister Tomaz Gantar am Montagabend dem TV-Sender POP TV. Die Aufregung war groß, am Dienstag ruderte Slowenien zurück.

Der slowenische Außenminister Anze Logar (rechts) mit seinem österreichischen Amtskollegen Alexander Schallenberg.  SN/APA (AUSSENMINISTERIUM)/MICHAEL
Der slowenische Außenminister Anze Logar (rechts) mit seinem österreichischen Amtskollegen Alexander Schallenberg.

Kroatien ist laut slowenischen Epidemiologen bezüglich des Coronavirus vorerst sicher. Die epidemiologische Lage sei derzeit vergleichbar mit Slowenien: die Zahl der Corona-Fälle pro 100.000 in letzten 14 Tagen liege etwas über zwei, sagte Mario Fafangel aus dem nationalen Institut für öffentliche Gesundheit (NIJZ) bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

"Es ist nach wie vor sinnvoll, Kroatien zu den epidemiologisch sicheren Ländern zu zählen", sagte Fafangel, Leiter des Zentrums für Infektionskrankheiten beim NIJZ. Die Situation in Kroatien werde aufmerksam beobachtet, betonte der Epidemiologe. "Die absoluten Zahlen sind nicht dramatisch, sie sind auf einem sicheren Niveau", sagte er und fügte hinzu, dass die Situation in Kroatien sorgfältig beobachtet werde. "Epidemiologisch tut sich etwas" sowohl in Kroatien als auch in Slowenien, sagte Fafangel und fügte hinzu, dass es sich in den nächsten Tagen zeigen werde, in welche Richtung sich der Trend bewege.

Die Pressekonferenz über die Lage zur Corona-Pandemie wurde laut dem slowenischen Regierungssprecher Jelko Kacin am Dienstag angesetzt, nachdem es in der Öffentlichkeit zu Aufregung gekommen sei, unter anderem wegen eines "zu wenig durchdachten Auftritts des Gesundheitsministers Tomaz Gantar", wie es hieß. Der Minister hatte am Montagabend in einem Fernsehinterview eine neuerliche Schließung der Grenze zu Kroatien nicht ausgeschlossen, sollte dort die Zahl der Coronafälle weiter steigen.

Slowenien hatte schon Anfang Mai seine Grenze zu Kroatien geöffnet, vor allem auf Druck der Tausenden slowenischen Zweitwohnungsbesitzer im Nachbarland - und zur Freude der Österreicherinnen und Österreicher, zu deren Lieblingsurlaubsländern Kroatien zählt. Seitdem gibt es einen regen Grenzverkehr, der die Behörden in Ljubljana zunehmend nervös macht. Bereits in der Vorwoche hatte die slowenische Regierung wegen vom Westbalkan importierter Fälle schon erfolgte Lockerungen im Grenzregime mit Ländern wie Serbien und Bosnien-Herzegowina wieder zurückgenommen.

Der slowenische Außenminister Anze Logar betonte am Montag beim Besuch seines österreichischen Amtskollegen Alexander Schallenberg in Ljubljana die Entschlossenheit, das Grenzregime bei Bedarf "prompt" wieder zu verschärfen. "Slowenien kann im Fall eines neuen Ausbruchs jederzeit die Handbremse anziehen und die Grenze für das betroffene Land wieder schließen", sagte Logar.

Aus dem österreichischen Außenministerium wurde den SN am Dienstagnachmittag bestätigt, (österreichische) Transitreisende seien von diesen Maßnahmen nicht betroffen. "Der Transit muss innerhalb von 12 Stunden erfolgen."

Quelle: APA

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