Weltpolitik

Coronavirus: Donald Trump lässt sich nicht testen

Das US-Gesundheitssystem steht vor dem Höhepunkt der Krise nicht unbedingt im besten Licht da.

Donald Trump in Orlando, Florida.  SN/AP
Donald Trump in Orlando, Florida.

Zwar breitet sich die Lungenkrankheit Covid-19 auch in den USA aus - US-Präsident Donald Trump hat sich aber noch nicht auf das Coronavirus testen lassen. Das teilte das Weiße Haus am Montagabend mit, nachdem zuvor entsprechende Fragen auf einer Pressekonferenz unbeantwortet geblieben waren.

Zuletzt hatten mehrere hochrangige republikanische Politiker angekündigt, sich als Vorsichtsmaßnahme freiwillig in Quarantäne zu begeben, nachdem sie vor einigen Tagen bei einer Konferenz in Washington mit einem späteren Covid-19-Patienten in Kontakt gekommen waren. Zwei dieser Republikaner wiederum waren in den vergangenen Tagen auch mit Trump selbst in Kontakt. Der Präsident hatte die Konferenz in Washington auch selbst besucht. In den vergangenen Tagen betonte Trump jedoch mehrfach ausdrücklich, er sei wegen der Entwicklung nicht persönlich beunruhigt. Bei seiner Ankunft in Orlando am Montag schüttelte er Unterstützern die Hände.

Nach Zählungen der "New York Times" gab es am Montagabend mehr als 660 Infektionen und mehr als 25 Todesfälle in den Vereinigten Staaten. Der Verlauf der Epidemie könnte die Karten im US-Wahlkampf neu mischen. Dass das US-Gesundheitssystem durch die Krise um Covid-19 vor einer Herausforderung steht, ist unbestritten. Vor allem die Testkapazitäten der USA standen bis dato in der Kritik.

"Jeder, der einen Test bekommen will, bekommt einen", verlautbarte der US-Präsident Anfang März im Rahmen eines Besuchs im CDC-Hauptquartier in Atlanta. Das entsprach aber nicht annähernd den Tatsachen, wie beispielsweise der Fall des Life Care Center in Kirkland (US-Staat Washington) von vergangener Woche belegt. Denn selbst in Kirkland, dem US-Epizentrum des Coronavirus unweit der Pazifik-Metropole Seattle, fehlte es offenbar noch immer noch an Testkits, wie ein Sprecher des Life Care Center vergangene Woche bestätigte. Im Vergleich zu anderen Ländern waren auch die Coronavirus-Tests in den USA für Nichtversicherte oder Unterversicherte unter Umständen mit signifikanten Kosten verbunden. Das heißt im Umkehrschluss, es wurde vorerst nur der getestet, der entweder keine andere Wahl hatte, oder es sich leisten konnte.

Die Epidemie könnte sowohl dem demokratischen Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders als auch seinem Konkurrenten Joe Biden helfen. Sanders plädiert seit langem für ein staatlich kontrolliertes Gesundheitssystem. "Sobald ein Impfstoff für den Coronavirus entwickelt wurde, sollte er unentgeltlich sein", erklärte er auf Twitter.

Für Ex-Vizepräsident Joe Biden spricht insbesondere die Bekanntheit, die die ehemalige Nummer 2 in der Obama-Regierung in der US-Bevölkerung hat. In unsicheren Zeiten könnte das bei Wählern für ein "Gefühl der Sicherheit" sorgen.

Ungeachtet aller politischer Überlegungen befindet sich US-Präsident Donald Trump (73) in einer altersbedingten Risikogruppe in Bezug auf das Coronavirus. Seine Herausforderer Joe Biden (77) und Bernie Sanders (78) von den Demokraten stehen ihm dabei um nichts nach.

Quelle: SN, Dpa

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