Weltpolitik

Darum war Kramp-Karrenbauer im Kreuzfeuer der Kritik

Die wichtigsten Ereignisse seit ihrer Wahl an Parteispitze.

Kramp-Karrenbauers Amtszeit ist überschattet von Fehltritten. SN/AP
Kramp-Karrenbauers Amtszeit ist überschattet von Fehltritten.

Nur 14 Monate nach ihrer Wahl an die CDU-Spitze in der Nachfolge von Angela Merkel wirft Annegret Kramp-Karrenbauer das Handtuch. In ihrer kurzen Amtszeit hat es "AKK" nie geschafft, ihre Stellung an der Parteispitze wirklich zu sichern: Wahlniederlagen, schlechte Umfragewerte und unglückliche Äußerungen setzten die Parteivorsitzende unter Druck.

Das Debakel um die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen offenbarte dann das Ausmaß ihres Autoritätsverlusts. Ein Überblick über Kramp-Karrenbauers Amtszeit:

7. Dezember 2018:

Die bisherige Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer wird zur neuen CDU-Chefin gewählt, ihr Gegner, Ex-Unions-Fraktionschef Friedrich Merz unterliegt knapp. In Umfragen legt sie zunächst deutlich zu.

10. Februar 2019:

Kramp-Karrenbauer setzt mit einem "Werkstattgespräch" zur Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Merkel einen eigenen Akzent. Damit will sie einen Beitrag zur Aufarbeitung des CDU-internen Streits um das Reizthema Migration setzen - eine Geste der Versöhnung an die gegnerischen Lager.

März:

Mit einem "Toiletten-Witz" löst Kramp-Karrenbauer Empörung aus. Bei einer Faschingsveranstaltung spottet sie über Toiletten für intergeschlechtliche Menschen - viele finden das nicht lustig.

Mitte Mai:

Eine Attacke des YouTubers Rezo schreckt die CDU auf: Das Internet-Video mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU" wird millionenfach geklickt - doch die Parteizentrale verkennt die Tragweite des Clips. Später räumt AKK Fehler ein.

26. Mai:

Bei der Europawahl fährt die CDU unter Führung Kramp-Karrenbauers ein miserables Ergebnis ein. Interne Schuldzuweisungen aus ihrem Umfeld an konservative Kräfte in der Jungen Union (JU) sorgen in der Partei für Ärger.

17. Juli:

Trotz früherer Beteuerungen, sie strebe kein Ministeramt an, wird Kramp-Karrenbauer überraschend Verteidigungsministerin. In Umfragen missbilligt eine große Mehrheit der Befragten ihre Entscheidung. Die Umfragewerte von Kramp-Karrenbauer sinken immer tiefer.

17. August:

Für Irritationen sorgt Kramp-Karrenbauer mit Interview-Äußerungen über den umstrittenen früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen. Teilweise wird sie so interpretiert, als wolle sie ein Parteiausschlussverfahren gegen den CDU-Rechtsaußen Maaßen anstrengen. Erneut sieht sich AKK zu einer Klarstellung missverständlicher Äußerungen gezwungen.

Oktober:

Die JU beschließt, der nächste Unions-Kanzlerkandidat solle per Urwahl bestimmt werden - ein klares Misstrauensvotum gegen die CDU-Chefin, der eigentlich das Zugriffsrecht zusteht.

Ende Oktober:

Nach erheblichen Verlusten bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen schneidet die CDU auch in Thüringen schlecht ab. In der CDU werden zunehmend Fragen nach Kramp-Karrenbauers Eignung laut. Daraufhin geht diese in die Offensive und fordert ihre innerparteilichen Kritiker auf, beim Bundesparteitag aus der Deckung zu kommen.

22. November:

Auf dem CDU-Parteitag in Leipzig stellt Kramp-Karrenbauer zum Ende ihrer langen Rede überraschend die Machtfrage: Sollte die Partei ihr nicht folgen wollen, "dann lasst es uns heute auch beenden, hier und jetzt und heute", sagt sie. Ihre internen Kritiker sind überrumpelt, niemand fordert die Vorsitzende heraus. Auch ihr alter Rivale Merz sichert ihr Loyalität zu.

5. Februar 2020:

Im thüringischen Landtag wird überraschend der FDP-Politiker Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten gewählt - mit den Stimmen von CDU und rechter AfD. Kramp-Karrenbauer wirft den thüringischen Parteikollegen vor, sich damit gegen die Beschlusslage der Partei und gegen Vorgaben der Parteispitze zum Umgang mit der AfD hinweggesetzt zu haben.

6. Februar:

Kramp-Karrenbauer fährt nach Erfurt, um die thüringische CDU-Fraktion dazu zu bewegen, Neuwahlen zuzustimmen. Dem Landeschef Mike Mohring legt sie den Rücktritt nahe. Die Parteichefin kann sich in stundenlangen Verhandlungen aber nicht durchsetzen.

10. Februar:

Die 57-Jährige zieht die Konsequenzen: Im Präsidium erklärt sie, dass sie nicht Kanzlerkandidatin werden wolle und dass sie auch den Parteivorsitz abgeben wolle, sobald der Prozess zur Kür des Kanzlerkandidaten organisiert sei. Merkel bittet Kramp-Karrenbauer in der Sitzung, als Verteidigungsministerin im Kabinett zu bleiben.

Quelle: Apa/Afp

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