Weltpolitik

Das Machtspiel bei der CDU hat begonnen

Nach dem Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) suchen die deutschen Christdemokraten zuerst einen neuen Parteivorsitzenden und dann einen Kanzlerkandidaten für die nächste Bundestagswahl.

Das war das Kandidatenrennen 2018 bei der CDU: Annegret Kramp-Karrenbauer (Mitte) siegte im Kampf um den Parteivorsitz gegen Friedrich Merz (rechts) und Jens Spahn (links).  SN/AP
Das war das Kandidatenrennen 2018 bei der CDU: Annegret Kramp-Karrenbauer (Mitte) siegte im Kampf um den Parteivorsitz gegen Friedrich Merz (rechts) und Jens Spahn (links).

Nach der Ankündigung von Annegret Kamp-Karrenbauer, dass sie den CDU-Vorsitz niederlegen und auf eine Kanzlerkandidatur verzichten wolle, beginnt in ihrer Partei das Rennen um ihre Nachfolge. Der von der bisherigen Vorsitzenden vorgelegte Zeitplan, dass die Christdemokraten erst auf ihrem Parteitag im Dezember personell und programmatisch die Weichen für die Zukunft stellen sollten, scheint schon vom Tisch zu sein. Der Parteitag dürfte auf den Sommer 2020 vorgezogen werden. Die Bewerber um die Spitzenstellung in Deutschlands stärkster politischer Partei bringen sich bereits in Stellung. Es geht um eine wichtige Personalie bei der CDU - und zugleich um eine Richtungsentscheidung.

In diesem Machtspiel der CDU gibt es drei Hauptdarsteller und einen Nebenakteur, der von der Seitenlinie aus maßgeblich in das Spielgeschehen eingreifen kann. Wir schauen der CDU hier in die Karten, indem wir die Kandidaten kurz porträtieren.

Friedrich Merz (64 Jahre)

Friedrich Merz  SN/APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ
Friedrich Merz

Er ist Jurist, Finanzexperte und ein glänzender Redner: Schon nach dem Verzicht Angela Merkels auf den Parteivorsitz hat sich der frühere CDU-Hoffnungsträger 2018 als Kandidat ins Spiel gebracht. Auf dem Höhepunkt des Parteispendenskandals war er im Februar 2000 als Nachfolger Wolfgang Schäubles zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion gewählt worden. Aber 2002 wurde er von CDU-Parteichefin Merkel verdrängt.

Der Wertkonservative zog sich danach von wichtigen Posten in Fraktion und Partei zurück und arbeitete als Rechtsanwalt. Von seinem Posten als Aufsichtsratschef des US-Finanzkonzerns Blackrock in Deutschland will er sich zum April zurückziehen, um sich wieder mehr der Partei zu widmen. Begonnen hatte er seine politische Laufbahn 1989 mit der Wahl ins Europaparlament. 1994 zog Merz für den nordrhein-westfälischen Wahlkreis Hochsauerland in den Bundestag ein.

Merz ist Urheber des umstrittenen Begriffs von der "deutschen Leitkultur", mit der er die Ausländerpolitik der CDU auf ein Nein zur Zuwanderung festschreiben wollte. Unvergessen ist auch, wie er im Oktober 2003 die Eckpunkte einer radikalen Steuerreform präsentierte, die mit drei Stufen auf einem Bierdeckel erklärbar sein sollte.

Jens Spahn  SN/AP
Jens Spahn

Jens Spahn (39 Jahre)

Der ehrgeizige Gesundheitsminister hat sich als konservativer Kritiker der Kanzlerin profiliert und hatte im Rennen um den CDU-Vorsitz schon 2018 den Hut in den Ring geworfen. Als Stimme vieler Konservativer und Jüngerer in der Partei brachte sich der Münsterländer in mehr oder minder offener Abgrenzung zu Merkel für mögliche höhere Aufgaben in Stellung. Der langjährige Gesundheitspolitiker und frühere Finanzstaatssekretär profilierte sich mit provokanten Äußerungen zu Themen von der Zuwanderung bis hin zu Recht und Ordnung. Als Minister glänzte er mit einem Feuerwerk an politischen Initiativen und Gesetzesnovellen. Der Jüngste in Merkels Kabinett sitzt im Bundestag schon seit 2002.

Armin Laschet  SN/APA (dpa)/Guido Kirchner
Armin Laschet

Armin Laschet (58 Jahre)

Der Aachener gilt als loyaler Stellvertreter Angela Merkels in der Bundes-CDU. Als Vorsitzender des stärksten Landesverbandes Nordrhein-Westfalen könnte der Ministerpräsident schon qua Amt einen Anspruch auf den Vorsitz der Bundespartei anmelden - wenn er denn wollte. Als Oppositionsführer in Nordrhein-Westfalen hatte er bis zum Wahlerfolg 2017 auf Landesebene zunächst viel Kritik ertragen und so manche Niederlage wegstecken müssen. Doch der Fußballfan gilt als beharrlich und geduldig. Laschet studierte Jus, arbeitete als Journalist und eroberte die politische Bühne schließlich als Bundestags- und Europaabgeordneter.

Markus Söder  SN/APA/AFP/ODD ANDERSEN
Markus Söder

Markus Söder (53 Jahre)

Außerhalb Bayerns gilt der Chef der CDU-Schwesterpartei CSU vielen noch immer als Scharfmacher und Populist - mit markigen Aussagen hat sich der vierfache Vater über die Jahre hinweg das Image des Hardliners erworben. Auch in der CSU gehen die Meinungen über den ehrgeizigen Franken weit auseinander, doch der Jurist hat viele Unterstützer, zudem hat er sich als akribischer Arbeiter großen Respekt erworben. Spätestens seit seiner Wahl zum bayerischen Ministerpräsidenten im März 2018 feilt Stratege Söder an einem neuen Image, hat sich vom Haudrauf zunehmend zum sanfteren Landesvater gewandelt. Zuvor war der politische Ziehsohn von Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber CSU-Generalsekretär, Europa-, Umwelt- und Finanzminister. Seit 1983 ist er CSU-Mitglied, von 1995 bis 2003 war er Chef der Jungen Union Bayern.

Politische Beobachter verweisen darauf, dass das Ringen um die Führung bei der CDU auf einen Zweikampf zwischen Friedrich Merz und Armin Laschet hinauslaufen könnte. Der eine steht für eine konservativere Ausrichtung der Partei, der andere für eine Fortsetzung von Merkels Mitte-Kurs. Jens Spahn könnte der lachende Dritte sein, er kann aber als Jüngster auch noch warten mit dem Sprung auf die höchsten Posten. Manche munkeln bereits, Spahn könnte als neuer Fraktionschef der Union seinen nächsten Karriereschritt tun. CSU-Chef Markus Söder hat als Chef der bayerischen Schwesterpartei bei der Nachfolgediskussion der CDU mitzureden, bringt sich aber bisher nicht selbst ins Spiel bei der Debatte über den Kanzlerkandidaten der Union.

Aufgerufen am 28.10.2021 um 01:41 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/das-machtspiel-bei-der-cdu-hat-begonnen-83397385

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