Weltpolitik

Das sagt die deutsche Presse zum Kampf um den CDU-Vorsitz

Das Rennen um den CDU-Vorsitz hat diese Woche an Fahrt aufgenommen. Nachdem NRW-Ministerpräsident Armin Laschet seine Kandidatur offiziell bekannt gab, zog wenige Minuten später auch der konservative Unionspolitiker Friedrich Merz nach. Laschet wird im Team mit Gesundheitsminister Jens Spahn antreten, Merz bleibt weiter Einzelkämpfer. So bewerten die deutschen Medien diesen Schritt.

Laschet und Spahn nach der Bundespressekonferenz am Dienstag. SN/APA/AFP/ODD ANDERSEN
Laschet und Spahn nach der Bundespressekonferenz am Dienstag.

Süddeutsche Zeitung

"Die Fronten sind klar, zumal da Merz mit einer Attitüde auftritt, die an jene Unternehmensberater erinnert, welche die Firma notfalls zerschlagen wollen, um sie zu retten. Zu dieser Art passen schmallippige Sätze wie ,ich spiele hier auf Sieg', die man sonst von Fußballtrainern oder Dieter-Bohlen-Männern hört. Friedrich Merz jedenfalls ist der Kandidat derer, die schon immer gesagt haben, dass es so nicht weitergehen kann. Merz selbst glaubt das, seitdem ihn 2002 Angela Merkel vom Fraktionsvorsitz verdrängt hat. Armin Laschet ist anders. Er ist nicht der Typ des angejahrten Business-Punk, sondern eher der gewitzte Onkel. Am Dienstag gelang es ihm mit Jens Spahn , eine Teamlösung zu präsentieren, die sich vom Lonely-Wolf-Auftritt Merz' deutlich unterschied."

Stuttgarter Zeitung

"Der Einzige, der in beide Richtungen integrieren könnte, ist Norbert Röttgen. Unter CDU-Anhängern genießt er mehr Ansehen als bei Funktionären. Doch die entscheiden auf dem Parteitag. Das größte Risiko aller drei hat Laschet . Wenn er den Machtkampf verliert, demoliert das auch seine Autorität als Ministerpräsident. Das allergrößte Risiko hat jedoch die Partei. Sie steht vor einer Zerreißprobe."

Nürnberger Nachrichten

"Möglich, dass Merz enttäuschte CDU-Wähler von der AfD zurückholt. Aber auf Dauer? Derzeit kann er ja sehr leicht sehr forsch reden - weil er, anders als Laschet und Spahn , keine Taten folgen lassen kann/muss. Der Härtetest der Politik steht dem Polarisierer Merz noch bevor. Das Team Laschet / Spahn kann verschiedene Lager zusammenführen. Ein Angebot, das Chancen hat. Die CDU, die durchaus gebraucht wird, muss aufpassen, dass es sie nicht zerreißt: So oder so gibt es enttäuschte Flügel und Verlierer. Da wird viel Versöhnungsarbeit auf die/den Sieger zukommen."

Badische Zeitung

"Stand jetzt (...) läuft es auf ein Duell zwischen Friedrich Merz und Armin Laschet hinaus. Damit steht der CDU eine Richtungsentscheidung ins Haus. Setzt sich ein eher integrativer oder ein mehr konfrontativer Ansatz durch? Will die Partei stärker ,grüne' Themen aufgreifen und die Abwanderung von Wählern zur Umweltpartei umkehren? Oder adressiert sie deutlicher das, was zum Unmut auf der konservativ-liberalen Seite und dem Aufstieg der AfD geführt hat, um deren Wähler wieder an eine eindeutig demokratische Kraft zu binden? (...) Von Stil und Inhalt könnten die Kandidaten kaum unterschiedlicher sein. Es wird ein Duell der Denkschulen."

Südwest Presse

"Das Spektakel um die neue Führung drohte in den vergangenen Tagen vollends aus dem Ruder zu laufen. Dass zumindest Laschet und Spahn es nun geschafft haben, sich zusammenzuraufen, dürfte ihnen nicht nur viel Sympathie einbringen, sondern der Partei auch das ersehnte Maß an Reststabilität vermitteln. Der Solo-Spieler Friedrich Merz aber hat in einem vollkommen recht: Die eigentliche Herausforderung für die zerrissene Partei beginnt am Tag nach dem Parteitag. Noch einmal 16 verlorene Monate kann sich die CDU nicht leisten."

Reutlinger Generalanzeiger

"Merz bewirbt sich mit Merz. Er hat ohne Zweifel die geringste Erfahrung in politischen Spitzenämtern. Armin Laschet dagegen ist der politisch erfahrenste, dahinter folgt Wolfgang Röttgen. Merz umgibt noch der Hauch von Nostalgie. Vor 18 Jahren war er ein junger Hoffnungsträger. Heute identifizieren ihn viele noch immer mit seinem Ausspruch, dass jeder die Einkommensteuer auf einem Bierdeckel berechnen können sollte. Damals war das eine wunderbare Vorstellung. Daraus geworden ist nichts, auch deshalb, weil er das Handtuch geworfen hatte. Seine politische Erfahrung seitdem passt nun auch wieder auf einen Bierdeckel."

Weser-Kurier

"Dass Armin Laschet und Jens Spahn jetzt als Team auftreten, ist ein Coup. Die beiden sind nicht nur bestens in ihrer Partei verdrahtet. Sie ergänzen sich auch mit ihren Profilen. Der rheinisch-katholische Laschet steht für den integrativen Anspruch einer Volkspartei, Spahn eher für Reformorientierung und konservativen Gestaltungswillen. Gemeinsam deckt das Duo sehr viel dessen ab, was die Identität der CDU ausmacht."

Quelle: SN,dpa

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