Weltpolitik

Das Töten geht weiter - wieder Luftangriffe auf Aleppo

Das Töten in der nordsyrischen Großstadt Aleppo geht weiter. Erneut sind bei Luftangriffen und dem Beschuss der Metropole mehr als 20 Zivilisten getötet worden. Mindestens zwölf Menschen starben, als Kampfflugzeuge ein Rebellengebiet im Nordosten der Stadt angriffen. In einem Telefonat mit seinem US-Amtskollegen Kerry verteidigte der russische Außenminister Sergej Lawrow die Angriffe.

Die US-Forderung nach einem Stopp der Angriffe könne nicht erfüllt werden, weil die frühere Al-Nusra-Front in Aleppo ihrerseits keinerlei Waffenruhe achte, sagte Lawrow. Die USA erfüllten nicht ihre Zusage, die gemäßigte Opposition und Terroristen zu trennen.

Kerry hatte wegen der verzweifelten Lage der Zivilbevölkerung in Aleppo mit einem Abbruch der russisch-amerikanischen Gespräche gedroht. Russland sei weiter zur Kooperation bereit, um die Situation zu entschärfen, sagte Lawrow.

Die USA wiederholten ihre Drohung am Freitag. Man sei kurz davor, den Dialog abzubrechen, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Mark Toner in Washington. "So etwas würden wir nicht sagen, wenn wir nicht bereit wären, es auch auszuführen." Noch wolle man die Tür aber nicht vollständig zuschlagen.

Während die Diplomatie stillsteht, starben auch am Freitag bei Luftangriffen auf Aleppo erneut zahlreiche Zivilisten. Kampfflugzeuge griffen ein Rebellengebiet im Nordosten der Stadt an, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte. Kliniken fehle es an Material, um Verwundete zu versorgen. Zusätzlich wurden in dem von Anhängern der Regierung kontrollierten Westen von Aleppo am selben Tag mindestens elf Zivilisten getötet. Dort hätten islamistische Milizen zahlreiche Granaten abgefeuert.

Der UNO-Menschenrechtsrat verurteilte gegen die Stimmen von Russland und China die "systematischen" Verletzungen des humanitären Völkerrechts durch das Assad-Regime in Syrien. Zugleich werden in einer am Freitag in Genf verabschiedeten Resolution die Bombenangriffe auf den von Aufständischen gehaltenen Osten der Stadt Aleppo scharf verurteilt. Der Rat forderte das Regime in Damaskus in der Resolution auch auf, der von ihm berufenen Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen in Syrien die Einreise zu erlauben.

Noch am Freitagabend kündigte Generalsekretär Ban Ki-moon an, dass ein UNO-Untersuchungsausschuss den Angriff auf einen UNO-Hilfskonvoi in Syrien untersuchen soll. Er drängte alle Beteiligten, mit dem Ausschuss zusammenzuarbeiten. Bei dem Angriff am 19. September in der Nähe von Aleppo waren nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz mehr als 20 Zivilisten getötet worden. Ein Großteil der Lieferung der Lastwagen wurde zerstört, zudem wurden ein Lagerhaus sowie ein Krankenhaus beschädigt. Die UNO hatte daraufhin ihre Hilfsgütertransporte vorübergehend gestoppt.

Die USA machen Russland für den Angriff verantwortlich. Russland hat diese Darstellung zurückgewiesen und eine eigene Untersuchung angekündigt. Durch den Vorfall hatten die diplomatischen Bemühungen um einen Frieden in Syrien einen weiteren Rückschlag erlitten.

Insgesamt sollen seit dem Eingreifen der Russen inb Syrien rund 10.000 Personen durch russische Luftangriffe gestorben sein. Die genaue Zahl der Toten beziffert die oppositionsnahe Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien mit 9.364. Darunter seien 3.804 Zivilisten, 2.746 Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" sowie mehr als 2.814 Kämpfer anderer Regimegegner. Die Aktivisten warfen Russlands Luftwaffe zugleich vor, Brand- und Streubomben einzusetzen.

Die russische Regierung, die mit den Angriffen das Regime von Machthaber Bashar al-Assad unterstützt, wies die Angaben als "unglaubwürdig" zurück. Es sei fraglich, ob eine in Großbritannien angesiedelte Organisation wirklich wisse, was in Syrien geschehe, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau. Die Angaben der Beobachtungsstelle, die ihre Informationen aus einem Netzwerk von Informanten an Ort und Stelle bezieht, sind von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen, werden aber seit Jahren von allen internationalen Medien verwendet.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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