Weltpolitik

Das weltweite Impfziel der WHO wird verfehlt

Afrika hinkt deutlich hinterher. Die Pharmaindustrie sieht sich nicht verantwortlich.

In Indien ist nicht einmal die Hälfte aller Menschen vollständig geimpft. SN/AFP
In Indien ist nicht einmal die Hälfte aller Menschen vollständig geimpft.

Dutzende Länder vor allem in Afrika werden das Ziel von 40 Prozent Coronageimpften bis Ende dieses Jahres verfehlen. Dieses Ziel hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Sommer ausgegeben.

Kurz vor Weihnachten waren nach ihren Angaben in rund der Hälfte der 194 Mitgliedsländer noch keine 40 Prozent der Bevölkerung geimpft. In rund 40 Ländern waren es noch nicht einmal zehn Prozent.

Weltweit wurden bis Dienstag mehr als 8,6 Milliarden Impfdosen verabreicht, dies allerdings überwiegend in Ländern mit höherem Einkommen, die eigene Verträge mit Impfstoffherstellern hatten. Vor allem afrikanische Nationen sind auf die Belieferung durch das von der WHO mitgegründete solidarische Programm Covax angewiesen. Covax hatte monatelang zwar von den reichen Ländern Geld erhalten, um Impfstoffe zu kaufen, doch waren vorerst nicht ausreichend Impfdosen verfügbar. Erst in den vergangenen Wochen zog die Auslieferung über Covax an. Bis kurz vor Weihnachten waren weltweit rund 722 Millionen Impfdosen ausgeliefert.

Während in Deutschland nach aktuellen WHO-Zahlen von Dienstag rund 171 Impfdosen pro 100 Einwohner verabreicht worden waren, waren es in Madagaskar erst knapp 2,7 und in der Demokratischen Republik Kongo 0,32. In den meisten Ländern Afrikas liegt die Zahl höchstens im niedrigen zweistelligen Bereich. Nach Überzeugung der Pharmaindustrie ist nicht ein Mangel an Impfdosen dafür verantwortlich. Die Industrie hat nach Schätzungen des Pharmaverbands IFPMA im Dezember rund 1,4 Milliarden Impfdosen hergestellt. Vielmehr sei die Impfskepsis in vielen Ländern groß, und viele hätten ein Problem, die Impfstoffverteilung zu organisieren. Die Weltgesundheitsorganisation sagt dagegen, Dutzende Länder wären bereit, wenn sie die Impfdosen bekämen.

Viele reiche Länder haben zusammen mehr als eine Milliarde Impfdosen als Spende versprochen. Allerdings ließen die Lieferungen laut WHO oft lange auf sich warten. Einiges Material habe zudem nur noch wenige Wochen bis zum Ablaufdatum, was eine zeitgerechte Verteilung kompliziert mache.

In Asien hingegen liegt die Impfquote vielerorts höher als in Europa und den USA. Kurz vor Weihnachten betonte WHO-Chef Tedros Ghebreyesus, 2022 müsse das Ende der Pandemie bringen. Mittlerweile kenne man das Virus sehr gut und habe alle Werkzeuge, es zu bekämpfen. Es müsse gelingen, die ganze Welt zu impfen.

Aufgerufen am 17.01.2022 um 11:09 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/das-weltweite-impfziel-der-who-wird-verfehlt-114665155

Kommentare

Schlagzeilen