Weltpolitik

Der Iran möchte russische Waffen kaufen

Präsident Ebrahim Raisi stattete Moskau einen Besuch ab.

Der iranische Präsident Ebrahim Raisi hatte auch einen Auftritt vor der Duma, dem Marionettenparlament Russlands.  SN/AFP
Der iranische Präsident Ebrahim Raisi hatte auch einen Auftritt vor der Duma, dem Marionettenparlament Russlands.

Mit einer Nachhilfestunde für Wladimir Putin hatte Ebrahim Raisi am Mittwoch seinen Staatsbesuch in Moskau begonnen. Es sei ihm wichtig, den russischen Gastgeber daran zu erinnern, dass "die Islamische Republik seit 40 Jahren Widerstand gegen Amerika leistet". Eine Absegnung des russischen Truppenaufmarsches an der Grenze zur Ukraine bedeutete Raisis Durchhaltebotschaft aber nicht. Zumindest im öffentlichen Teil seines Treffens mit Putin beschränkte sich der Hardliner aus Teheran darauf, das "Vorgehen der NATO im Kaukasus und Zentralasien zu verurteilen". Die Ukraine erwähnte der Mann mit dem schwarzen Turban nicht. Entsprechend vage äußerte sich auch der Kremlchef. Freundlich pries er die enge Zusammenarbeit mit dem Iran auf der "internationalen Bühne". Als Beispiele nannte Putin Syrien, wo Russland gemeinsam mit dem Iran den Sturz Baschar al-Assads verhinderte.

Der iranische Staatspräsident gilt im Gegensatz zu seinem eher westlich orientierten Amtsvorgänger als Befürworter enger Beziehungen mit Moskau. Seit Jahren feilen Diplomaten beider Länder an einem Abkommen. Sein Schwerpunkt soll im militärischen Bereich liegen. "Wichtiger als eine wirtschaftliche Partnerschaft mit Moskau ist eine militärische und geheimdienstliche Allianz", sagte Mahmud Shoori vom Teheraner Institut für Iran- und Eurasienstudien. Auch in Russland vertreten viele Analysten die Ansicht, dass eine verstärkte militärische Zusammenarbeit Russlands mit dem Iran ein probates Druckmittel des Kremls gegen Washington ist. Die Beziehungen zwischen dem Iran und Russland könnten schon bald einen "rasanten und dynamischen Weg einschlagen", wie der iranische Außenminister Amir Abdollahian in Moskau ankündigte. Die Wunschliste: Neben Boden-Luft-Raketen des Typs S-400 gibt es Interesse an SU-30-Jets sowie T-90- Panzern. Konkret ist bisher nur eine gemeinsame Marineübung im Arabischen Meer, die bald beginnen soll. An dem Manöver sollen Kriegsschiffe aus dem Iran, Russland und China teilnehmen. Differenzen zwischen Teheran und Moskau gibt es vor allem zu Israel, das Putin als Partner, Iran dagegen als Erzfeind betrachtet. Ein nuklear bewaffneter Iran kommt für den Kremlchef ebenso wenig infrage wie ein israelischer oder amerikanischer Angriff auf iranische Atomanlagen. Russland könnte vor diesem Hintergrund den Druck auf Iran bei den Wiener Atomgesprächen erhöhen.

Es sei ihm "sehr wichtig", den Standpunkt Ebrahim Raisis zu Verhandlungen zu erfahren, meinte Putin. Eine Antwort bekam er nicht. Vielleicht hatte der Iraner den Russen auch nicht richtig verstanden. Schließlich saßen die Herren fast 20 Meter auseinander - aus "hygienischen Notwendigkeiten", wie ein Kremlsprecher meinte.

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