Weltpolitik

Der syrische Bürgerkrieg und die Suche nach Frieden

Hunderttausende Menschen sind dem seit 2011 tobenden Bürgerkrieg in Syrien bereits zum Opfer gefallen, Millionen sind auf der Flucht. Alle Bemühungen um Frieden sind bisher gescheitert.

Der syrische Bürgerkrieg und die Suche nach Frieden SN/APA/AFP/KARAM AL-MASRI
Fast tägliche Szenen aus Aleppo.

Oktober 2011: Russland und China verhindern eine UN-Resolution zur Verurteilung der Regierung von Präsident Baschar al-Assad und blockieren in den folgenden Monaten weitere.

Juni 2012: Die UN-Vetomächte und mehrere Nahost-Staaten einigen sich auf einen Fahrplan für einen Übergangsprozess in Syrien. Die geplante Übergangsregierung wird nicht gebildet, der Bürgerkrieg geht weiter.

November 2015: In Wien einigen sich die Teilnehmer einer Syrienkonferenz, darunter die USA, der Iran und Russland, auf einen Friedensplan, der eine Übergangsregierung vorsieht.

Dezember 2015: Der UN-Sicherheitsrat bestätigt den Fahrplan zum Frieden, lässt aber offen, was aus Assad werden soll und wer als Verhandlungspartner akzeptabel ist.

Januar 2016: Die Friedensgespräche beginnen in Genf zunächst ohne wichtige Oppositionsvertreter. UN-Sondervermittler Staffan de Mistura verhandelt dann mit beiden Delegationen getrennt, direkte Gespräche lehnen beide Seiten ab.

Februar 2016: Die USA, Russland und wichtige Regionalmächte handeln in München eine Waffenruhe für Syrien aus, die jedoch vor allem in der nordsyrischen Großstadt Aleppo immer wieder gebrochen wird. Sie gilt zudem nicht für die Bekämpfung der radikalsunnitischen Organisationen Islamischer Staat (IS) und Al-Nusra-Front.

April 2016: Die Friedensgespräche in Genf werden nach der dritten Runde ohne entscheidende Annäherungen auf Eis gelegt.

Mai 2016: US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow rufen die Konfliktparteien gemeinsam zur Einhaltung der Waffenruhe auf und wollen Druck auf sie ausüben. Ein nachhaltiger Erfolg bleibt aus.

August 2016: Kerry und Lawrow verständigen sich in Genf grundsätzlich auf das Ziel einer Waffenruhe. Details müssen noch geklärt werden.

September 2016: Die USA und Russland einigen sich nach langwierigen Verhandlungen ihrer Außenminister erneut auf einen Plan zur Durchsetzung der Waffenruhe sowie für eine politische Lösung des Konflikts. Doch das Regime in Damaskus erklärt die Waffenruhe nach einer Woche für beendet und fliegt wieder heftige Luftangriffe.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Was vor mehr als fünf Jahren mit friedlichen Demonstrationen in einer Provinzstadt begann, hat sich mittlerweile zu einem komplexen Bürgerkrieg mit internationaler Dimension ausgeweitet. Der Konflikt wird auch von außen immer weiter angefacht. Er ist schwer lösbar, weil es viele Akteure mit vielen unterschiedlichen Interessen sowie ein kompliziertes Netz gegenseitiger Abhängigkeiten gibt.

REGIME: Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

ISLAMISCHER STAAT (IS): Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

REBELLEN: Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

KURDEN: Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

DIE USA UND DER WESTEN: Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

RUSSLAND: Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

IRAN: Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

SAUDI-ARABIEN UND DIE TÜRKEI: Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Quelle: Dpa

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