Weltpolitik

Deutsche Bischofskonferenz wählt Frau zu Generalsekretärin

Inmitten massiver Kritik wegen der Vertuschung von Missbrauchsskandalen hat die deutsche Bischofskonferenz erstmals eine Frau zur Generalsekretärin gewählt. Die Theologin Beate Gilles wird Anfang Juli dem Geistlichen Hans Langendörfer nachfolgen, teilte die Bischofskonferenz am Dienstag in einer Aussendung mit. "Das ist ein wichtiger Tag für die Kirche in Deutschland und für die Deutsche Bischofskonferenz", sagte Konferenzvorsitzender Georg Bätzing in einer ersten Reaktion.

Initiative "Maria 2.0" kämpft gegen Frauenfeindlichkeit in Kirche SN/APA (dpa)/Angelika Warmuth
Initiative "Maria 2.0" kämpft gegen Frauenfeindlichkeit in Kirche

"Ich sehe das als starkes Zeichen, dass die Bischöfe ihrer Zusage nachkommen, Frauen in Führungspositionen zu fördern", betonte der Limburger Bischof. Gilles war in seiner Diözese bisher für Kinder, Jugend und Familie zuständig. "Ich freue mich auf die neue Aufgabe", kommentierte Gilles die Wahl. Sie ist seit heuer auch Bundesvorsitzende von IN VIA Deutschland, dem katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit. Außerdem sitzt sie für die hessischen Diözesen im Rundfunkrat des deutschen Bundeslandes.

Beobachter werteten die überraschende Wahl als Versuch der deutschen Bischöfe, sich in einer Affäre um die Vertuschung von Missbrauchsskandalen etwas Luft zu verschaffen. Ins Kreuzfeuer war diesbezüglich der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki geraten. Auch Bätzing hatte seinem Kollegen Fehlverhalten vorgehalten.

Zum Start der virtuell abgehaltenen Vollversammlung der deutschen Bischöfe hatte es daher in ganz Deutschland Protestaktionen von Reforminitiativen gegeben, die unter anderem den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, ein Ende des Pflichtzölibats und auch der Doppelmoral in der Frage der Sexualität forderten.

Der Sekretär beziehungsweise die Sekretärin der Deutschen Bischofskonferenz unterstützt die Bischöfe bei der Arbeit für die katholische Kirche in Deutschland. Die Aufgaben des Sekretariats mit Sitz in Bonn reichen von der Koordination der internationalen und ökumenischen Zusammenarbeit über diözesanübergreifende Beobachtungen bis hin zur Begleitung gesellschaftspolitischer Fragen. Zudem ist die Sekretärin in Personalunion auch Geschäftsführerin des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD).

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