Weltpolitik

Deutsche im Irak wegen IS-Zugehörigkeit zum Tode verurteilt

Im Irak ist eine Deutsche wegen Mitgliedschaft in der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zum Tode verurteilt worden. Sie solle durch den Strang hingerichtet werden, sagte ein Sprecher des Strafgerichts in Bagdad am Sonntag. Die Frau arabischer Abstammung sei im Vorjahr von irakischen Truppen während der Schlacht um Mosul gefangen genommen worden. Sie könne gegen das Urteil Berufung einlegen.

Die Frau habe "logistische Unterstützung und Hilfe für die Terrorgruppe geleistet, um Verbrechen zu verüben", erklärte ein Richter. Es handelt sich um das erste Todesurteil, das die irakische Justiz gegen eine europäische Frau verhängt. Genaue Angaben zur Identität der Frau wurden zunächst nicht gemacht. Sie hat laut dem Gericht marokkanische Wurzeln.

"Die Beschuldigte hat während der Vernehmungen zugegeben, Deutschland in Richtung Syrien und anschließend den Irak verlassen zu haben, um sich dem IS mit ihren beiden Töchtern anzuschließen", erklärte der Richter. Die Töchter hätten Mitglieder des IS geheiratet.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte im vergangenen Sommer berichtet, in Bagdad befänden sich vier deutsche Frauen in Haft. Es handelte sich demnach um eine Frau aus Deutschland mit marokkanischen Wurzeln und deren Tochter, außerdem um eine Schülerin und eine Frau mit tschetschenischem Hintergrund.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin wollte sich zu dem Urteil auf Anfrage zunächst nicht äußern. Er verwies lediglich darauf, dass die Haltung der deutschen Regierung zur Todesstrafe bekannt sei. Deutschland lehnt die Todesstrafe ab.

Bereits im September hatte ein irakisches Gericht einen Russen zum Tod durch Erhängen verurteilt, nachdem dieser für schuldig befunden worden war, für den IS gekämpft zu haben.

Die irakischen Behörden teilten bisher nicht offiziell mit, wie viele Jihadisten sie während ihrer Offensive gegen den IS im vergangenen Jahr gefangen genommen haben. Nach Angaben irakischer Kommandanten und kurdischer Soldaten sollen sich hunderte Jihadisten ergeben haben.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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