Weltpolitik

Deutscher Altbundespräsident Roman Herzog gestorben

Der frühere deutsche Bundespräsident Roman Herzog ist tot. Er starb im Alter von 82 Jahren. Herzog stand von 1994 bis 1999 an der Spitze der Bundesrepublik Deutschland. Zuvor war der Jurist Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Der CDU-Politiker hatte unermüdlich vor Reformmüdigkeit im Land gewarnt.

Roman Herzog war hoch geachtet.  SN/APA (dpa)/Daniel Naupold
Roman Herzog war hoch geachtet.

Herzog machte es sich zur Aufgabe, gegen Blockaden in Politik und Gesellschaft anzugehen. Besonders in Erinnerung blieb seine Rede von 1997 mit dem zentralen Satz: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen". In der Rede forderte er die Deutschen auf, von "liebgewordenen Besitzständen" Abstand zu nehmen.

Herzog setzte sich auch kritisch mit den Bürgern auseinander. "Das Volk bewegt sich nicht", sagte er im Frühjahr 2008 der "Bild"-Zeitung. Es gebe zwar eine gewisse Bereitschaft zu Reformen, "aber es bräuchte politische Führung, echtes Charisma, um sie zu mobilisieren".

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte seinen Vorgänger am Dienstag als "markante Persönlichkeit, die das Selbstverständnis Deutschlands und das Miteinander in unserer Gesellschaft geprägt und gestaltet hat". Als Minister, Verfassungsrichter und Präsident seien für Herzog "die Bürger- und Freiheitsrechte niemals nur abstrakte Begriffe" gewesen, betonte Gauck. "Mit Sachverstand, Klugheit und großer Lebenserfahrung trat er für unser Land und seine freiheitliche Verfassung ein."

Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hob die Verdienste des Verstorbenen hervor. "Roman Herzog hat sich um unser Land verdient gemacht. Seine unverwechselbare kluge Stimme und seine Fähigkeit, Probleme offen zu benennen und dabei Mut zu machen, wird mir und wird uns allen fehlen", erklärte Merkel am Dienstag in Berlin.

"Ein großer Verfassungsrechtler, Politiker und Staatsmann ist heute von uns gegangen", erklärte in Berlin Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). "Ich habe Roman Herzog als einen geradlinigen, ehrlichen und klugen Menschen erlebt, der sich nicht scheute, auch harte Wahrheiten anzusprechen, aber auch seinen tiefsinnigen Humor niemals verlor", würdigte Steinmeier den Verstorbenen. "Wir verabschieden uns mit großem Respekt von einem Mann, der während seiner Amtszeit als Bundespräsident unser Land hervorragend nach innen und nach außen vertreten hat", schrieb SPD-Chef Sigmar Gabriel.

Seine politische Karriere hatte Herzog CDU-Mitglied als Bildungs- und als Innenminister in Baden-Württemberg begonnen. 1994 wählte ihn die Bundesversammlung zum ersten Staatsoberhaupt nach der deutschen Wiedervereinigung.

Nach seinem Verzicht auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident saß Herzog in verschiedenen Kommissionen. Dazu gehörte der Konvent für Deutschland, ein Expertengremium, das sich unter anderem mit den Themen Föderalismusreform und Finanzverfassung beschäftigte.

Herzog lebte zuletzt auf der Götzenburg in Jagsthausen bei Heilbronn, wo seine zweite Frau Alexandra Freifrau von Berlichingen zuhause ist. Christiane Herzog, die sich nicht nur während der Amtszeit ihres Mannes im sozialen Bereich engagierte, war im Juni 2000 gestorben.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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