Weltpolitik

Deutsches Bundeskriminalamt öffnete Hinweisportal zu Hanau

Nach dem offenbar rassistisch motivierten Anschlag von Hanau hat das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) ein Hinweisportal geöffnet. Auf seiner Website können Bürger Fotos und Hinweise hochladen, die dazu beitragen könnten, die Tat aufzuklären, wie die Behörde am Sonntag mitteilte. Zudem veröffentlichte sie eine Telefonnummer, unter der sich Zeugen melden können.

Kerzen zum Gedenken an die Schüsse von Hanau SN/APA (dpa)/Nicolas Armer
Kerzen zum Gedenken an die Schüsse von Hanau

Am Mittwochabend hatte ein 43-jähriger Deutscher im hessischen Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln offenbar aus rassistischen Gründen getötet, später wurde er ebenso wie seine 72-jährige Mralralutter tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Tat löste deutschlandweit Entsetzen aus. Der deutsche Innenminister Horst Seehofer kündigte am Freitag eine Ausweitung der Polizeipräsenz im ganzen Land an.

Nach den Schüssen auf eine Shisha-Bar am Samstag in Stuttgart hat die Polizei bisher keine Hinweise auf einen möglichen rechtsradikalen Hintergrund. Es werde aber nach wie vor "in alle Richtungen ermittelt", sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Unbekannte hatten mehrere Schüsse auf zwei Fenster eines Gebäudes abgegeben, in dem sich unter anderem eine Shisha-Bar befindet. Ein Mitarbeiter der Bar entdeckte das beschädigte Fenster Samstagmittag und alarmierte die Polizei.

Zu einer möglichen Brandstiftung im sächsischen Döbeln konnte die Polizei am Sonntag keine neuen Informationen geben. In der Nacht auf Samstag hatte aus noch ungeklärter Ursache der Schuppen eines Gebäudes gebrannt, in dem sich eine Shisha-Bar befindet. Im Nachbarhaus ist zudem ein Döner-Imbiss untergebracht. In den beiden Lokalen wurde laut Landeskriminalamt kein Feuer festgestellt. Es wurde niemand verletzt.

Weil eine politisch motivierte Straftat nicht ausgeschlossen werden kann, übernahm das Polizeiliche Extremismus- und Terrorismus-Abwehrzentrum des LKA Sachsen die Ermittlungen. Konkrete Hinweise auf eine politische Motivation lagen aber zunächst nicht vor. Es werde in alle Richtungen ermittelt, teilte das LKA mit.

Mehrere Tausend Menschen gedachten indes am Sonntag in Hanau der Opfer des mutmaßlich rassistischen Anschlags in der Stadt und setzten ein Zeichen für Toleranz und Menschlichkeit. "Wichtig ist für uns, Flagge zu zeigen. Gegen Terror, Fremdenfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus", sagte Mitorganisator Teyfik Oezcan. "Unsere Botschaft lautet: Wir sind Deutschland. Wir gehören zusammen."

Nach Schätzungen der Polizei gingen bis zu 10.000 Menschen vom Tatort Kurt-Schumacher-Platz in die Innenstadt. Dort gab es eine Kundgebung, an der Angehörige der Opfer, der türkische Botschafter Ali Kemal Aydin, Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sowie Vertreter verschiedener Religionen teilnahmen. Es sei dringend nötig, ein Gegengift zu finden für den Hass, sagte Botschafter Aydin. Die türkische Gemeinde erlebe von Jahr zu Jahr mehr Angriffe auf Menschen, auf Moscheen oder auf Vereine. "Das kann und darf so nicht weitergehen." Lippenbekenntnisse reichten nicht aus.

Quelle: Apa/Ag.

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