Weltpolitik

Deutsches Konsulat in Afghanistan von Taliban attackiert

Das deutsche Generalkonsulat in Afghanistan ist zum Ziel eines schweren Angriffs der radikalislamischen Taliban geworden, bei dem in der Nacht zum Freitag mindestens sechs Menschen getötet wurden. Fast 130 weitere Menschen wurden bei der Attacke und den nachfolgenden Gefechten verletzt, wie die afghanischen Behörden mitteilten.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach von einem Angriff "schwer bewaffneter Terroristen". Deutsche kamen nicht zu Schaden. In Berlin tagte am Freitagmorgen der Krisenstab des Auswärtigen Amtes. Steinmeier zeigte sich "erleichtert", dass "alle Angehörigen des Generalkonsulats - Deutsche und Afghanen" unverletzt blieben. Den Angehörigen der Toten und Verletzten übermittelte er sein "tiefes Mitgefühl". Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dankte den afghanischen Sicherheitskräften sowie der Bundeswehr und der Polizei für ihren Einsatz.

Die Taliban bekannten sich zu dem Angriff und bezeichneten diesen als Vergeltung für einen NATO-Luftangriff in der Provinz Kunduz, bei dem in der vergangenen Woche womöglich mehr als 30 Zivilisten getötet worden waren. Taliban-Sprecher Sabihullah Mujahid sprach von einem "Märtyrer-Angriff", bei dem "Dutzende von Invasoren" getötet worden seien.

Das Konsulat und umliegende Häuser wurden schwer beschädigt, vor dem Gebäude brannten Autos aus. Zunächst steuerte am Donnerstagabend laut Polizei ein Attentäter einen mit Sprengstoff beladenen Lkw gegen die Mauer des Konsulats und löste damit eine schwere Explosion aus. Danach lieferten sich nach Angaben Steinmeiers bewaffnete Angreifer auf dem Gelände und im Gebäude des Generalkonsulats Kämpfe mit Sicherheitskräften.

Demnach waren an den Gefechten das Sicherheitspersonal des Konsulats, afghanische Sicherheitskräfte sowie deutsche, georgische, belgische und lettische Sondereinsatzkräfte der NATO-Mission Resolute Support beteiligt.

Am frühen Freitagmorgen dann näherten sich nach Angaben der Bundeswehr noch einmal drei Motorradfahrer dem Anschlagsort, die nicht auf Warnschüsse und Aufforderungen zum Halt reagierten. Deutsche Soldaten schossen demnach anschließend gezielt auf die Motorradfahrer und töteten zwei von ihnen, der dritte wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Ärzte berichteten am Freitag von insgesamt sechs Leichen, die in die örtlichen Krankenhäuser gebracht wurden. Darunter waren auch zwei Opfer, die durch Schüsse starben. Mindestens 128 weitere Menschen wurden demnach verletzt, viele von ihnen lebensgefährlich. Der stellvertretende Polizeichef Abdul Rasak Kadri sprach von sieben getöteten afghanischen Zivilisten und erwähnte ebenfalls zwei erschossene Motorradfahrer.

Die deutsche Bundesregierung will aber auch nach dem Anschlag an ihrem Engagement in Afghanistan festhalten. Ein Sprecher von Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am Freitag in Berlin, er könne sich nicht vorstellen, dass Deutschland oder die internationale Gemeinschaft ihre Hilfen für das Land überdenken könnten.

Es werde aber geprüft, wie die Sicherheitslage für Mitarbeiter verbessert werden könne, damit sich ein solcher Anschlag nicht wiederhole. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es in einem Land wie Afghanistan nicht.

Quelle: Apa/Ag.

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