Die begrenzte Angriffsfläche

Der Erfolg des Militärschlags gegen Syrien besteht darin, dass er die Sache nicht schlimmer gemacht hat.

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Standpunkt Gudrun Doringer

Baschar al-Assad ließ sich am Wochenende dabei filmen, wie er, seine Aktentasche tragend, ins Büro spaziert. Als wäre nichts passiert. Er demonstrierte, wie unangetastet sein Regime ist und dass der gemeinsam ausgeführte Vergeltungsschlag der USA, Frankreichs und Großbritanniens für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Douma nichts daran ändert. US-Präsident Donald Trump twitterte dagegen: "Ein perfekt ausgeführter Schlag letzte Nacht. Hätten kein besseres Ergebnis haben können. Mission beendet!" Wenn man vorher nicht definiert, was das Ziel einer Aktion sein soll, lässt sich nachher leicht sagen,
dass es erreicht wurde. Die Luftschläge waren ein
Minimalstangriff. Denn das Ausmaß der Operation hatte eine klare Grenze: Russland und der Iran sollten nicht herausgefordert werden. Was also wurde tatsächlich erreicht?

1. Es wurde keiner der russischen Soldaten getroffen, die ebenfalls in Syrien stationiert sind. Das war Kalkül, Glück und der Tatsache zu verdanken, dass James Mattis US-Verteidigungsminister ist. Er hatte eindringlich auf einer symbolischen Reaktion bestanden. Trump und sein neuer Sicherheitsberater John Bolton nämlich hatten sich laut "Wall Street Journal" dafür starkgemacht, mit einem Militärschlag nicht nur die syrische Regierung zu treffen, sondern auch Russland und den Iran "bezahlen zu lassen". Dieses Szenario will keiner. Die Welt atmet vorerst auf.

2. Das syrische Volk nicht. Denn am weiteren Morden hindern die Angriffe Assad nicht. Die USA behaupten, der Großteil der syrischen Giftgasvorräte sei durch die Luftschläge vom Wochenende zerstört worden. Syrien behauptet das Gegenteil. Einer sagt nicht die Wahrheit, nur sind die Aussagen von Kriegsparteien schwer zu überprüfen. Was feststeht, ist, dass Assad weiter gegen sein Volk vorgehen kann - Chemiewaffen sind nur eine seiner Methoden.

3. Russland ist nicht an einer Eskalation interessiert. Auch das wurde in dieser Nacht deutlich. Die russischen Luftabwehranlagen waren abgeschaltet. Einzig die maroden syrischen Systeme schossen in den Nachthimmel.

Die Wirkung der Aktion bleibt begrenzt. Sie kann nicht kaschieren, dass der Westen in puncto Syrien keinen Plan hat. Und dass er in einem Dilemma steckt. Nichts tun? Oder riskieren, alles noch schlimmer zu machen? Man entschied sich für die kleinste aller möglichen Reaktionen auf den mutmaßlichen Giftgasangriff. Sie half dem Westen, sein Gesicht zu wahren. Ob sie den Syrern hilft, ist fraglich.

Aufgerufen am 26.04.2018 um 01:36 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/die-begrenzte-angriffsflaeche-26712751

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