Weltpolitik

Die Einschläge kommen näher

Erst Paris, dann Brüssel, Nizza, Würzburg und jetzt München. Die Schlinge der Gewalt zieht sich immer enger um uns.

Die Einschläge kommen näher SN/AP
Spezialeinheiten suchen in München nach den Tätern.

Die bayerische Hauptstadt, die vielen Salzburgern nicht nur geografisch sondern auch mental näher liegt als Wien, befindet sich im Schockzustand. Und wir damit. Die Fernsehbilder zeigen uns verschreckte, total verängstige, schreiende, weinende Menschen durch die Straßen hetzen. Angst vor dem Terror steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Schwer bewaffnete Polizisten geben notdürftig Schutz. Auch sie sind nervös. Die Lage bleibt bis zuletzt unüberschaubar. Von einer Terrorlage ist die Rede.

Was tun? Ruhig bleiben? Nicht unterkriegen lassen, so weiter leben wie bisher? Das ist leichter gesagt als getan. Die undurchsichtige Nachrichtenlage verleitet zu vorschnellen Einschätzungen. Islamistische Terroristen? Verwirrte Amokläufer? Politisch radikalisierte Mörder? Wir wissen es nicht. Noch nicht.

Die Angst ist mittlerweile allgegenwärtig. Nicht Furcht. Denn die setzt voraus, dass wir es mit einer konkreten, erkennbaren Bedrohung zu tun haben. Gegen die könnte man möglicherweise etwas unternehmen. Doch die Auslöser dieser Angst sind gesichtslos. Die Fratze des Bösen ist schwer identifizierbar.

München, die schöne, gemütliche, gastfreundliche Isarmetropole ist stark. Nach den grausamen Anschlägen bei den olympischen Spielen 1972 und dem rechtsradikalen Bombenattentat auf das Oktoberfest 1980 hat es lange gebraucht, bis bis sich die Stadt vom Schrecken erholt hat. Wir hoffen, dass sie auch den jüngsten Gewaltausbruch verkraftet. Anzeichen dafür gibt es. Die Menschen rücken näher zusammen. Sie helfen einander. Auch mit Hilfe der sonst so oft gescholtenen sozialen Medien. In unserer egoistischen Zeit ist das ein gutes Zeichen.

Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Angehörigen.

München und Salzburg stehen einander so nahe. Eine lange gemeinsame Geschichte verbindet uns. Dass gerade am Abend zum Auftakt der Salzburger Festspiele, zu denen im Sommer Tausende Freunde aus München kommen, diese Katastrophe passiert, schweißt uns noch mehr zusammen.

Die Einschläge kommen näher. Die Zeit, in der wir solche Grausamkeiten aus sicherer Entfernung irgendwann abschütteln konnten, ist vorbei. Wohl endgültig.

Aufgerufen am 17.12.2018 um 01:31 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/die-einschlaege-kommen-naeher-1231840

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