Weltpolitik

Die Tür für den Verbleib Großbritanniens in der EU wäre noch offen

Europaabgeordnete sind der Meinung, die EU sollte ein zweites Referendum in Großbritannien unterstützen.

Europaabgeordnete sind der Meinung, die EU sollte ein zweites Referendum in Großbritannien unterstützen.  SN/APA/AFP/PHILIPPE LOPEZ
Europaabgeordnete sind der Meinung, die EU sollte ein zweites Referendum in Großbritannien unterstützen.

Europaabgeordnete haben sich skeptisch zur bevorstehenden Brexit-Abstimmung im britischen Unterhaus gezeigt. Die Abgeordneten des Unterhauses hätten "die vielleicht folgenschwerste Entscheidung eines britischen Parlaments in den vergangenen 45 Jahren, seit dem EU-Beitritt, zu fällen", sagte der ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas am Sonntag.

Der vorliegende Deal sei "das Vernünftigste, was man unter den gegebenen Umständen tun kann", so Karas. "Noch vernünftiger wäre, in der EU zu bleiben." Karas kritisierte "Träumereien" der britischen Brexit-Hardliner, die behaupten würden, ein für Großbritannien vorteilhafterer Vertrag wäre möglich. "Sie täuschen sich."

Für den grünen Ko-Delegationsleiter Michel Reimon ist der Brexit ein "Lehrbeispiel für überbordenden Nationalismus". Reimon: "Die Europäische Union steht vor einem Scheideweg. Der Zusammenhalt wird durch Nationalisten und Rechtsextreme bedroht. Ein Europa der Konzerne ist ihr Nährboden. Brexit sollte uns da als Lehrbeispiel dienen." Sollte Premierministerin Theresa May im Parlament scheitern, "muss die EU ein zweites Referendum in Großbritannien unterstützen".

Der Chef der Sozialdemokraten, Udo Bullmann, betonte, der Brexit "ist und bleibt aus unserer Sicht ein tragischer Fehler". Auch Bullmann ließ die Möglichkeit eines EU-Verbleibs Großbritanniens offen. "Wir haben die Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, immer als einen historischen Fehler betrachtet und werden die Tür weiterhin offen halten für den Fall, dass sich die Menschen des Vereinigten Königreichs umentscheiden."

Niemand ist in Feierstimmung

Zum Abschluss des EU-Sondergipfels in Brüssel hat sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel betrübt über den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU gezeigt. "Das ist ein historischer Tag, der sehr zwiespältige Gefühle auslöst", sagte Merkel am Sonntag in Brüssel. Es sei "tragisch, dass Großbritannien die EU nach 45 Jahren verlässt". Merkel sprach von einem "diplomatischen Kunststück", das den Unterhändlern gelungen sei. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz betonte, wenn auch der heutige Tag historisch sei, sei er trotzdem kein guter. Mit Großbritannien verliere die EU "nicht irgendein Mitglied", sondern eine der größten Volkswirtschaften, eine militärische Größe und ein politisches Schwergewicht. "Niemand ist in Feierstimmung", sagte Kurz.

Quelle: APA

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