Weltpolitik

Diese Länder in Europa lockern die Corona-Regeln

Die Spanier feierten am Wochenende das Ende des "Hausarrests", seit Montag dürfen auch die Italiener wieder ins Freie. Viele Länder lockern jetzt ihre Corona-Beschränkungen. Doch Vorsichtsmaßnahmen bleiben - die Schutzmaske gehört fast überall dazu.

In Parks spazieren gehen - das ist seit Montag in Italien wieder erlaubt. SN/APA/AFP/MIGUEL MEDINA
In Parks spazieren gehen - das ist seit Montag in Italien wieder erlaubt.

Das unbeschwerte Reisen innerhalb Europas wird noch eine Weile nicht möglich sein, doch in den einzelnen Ländern erwacht das öffentliche Leben wieder. Die Spanier durften schon am Wochenende wieder ins Freie zum Sport und zum Flanieren. Zahlreiche europäische Länder lockern zu Wochenbeginn einige, teils drastische Anti-Corona-Maßnahmen. Allerdings haben viele strikte Vorsichtsregeln weiter Bestand.

Italiener dürfen wieder ins Freie

Nach fast zwei langen Monaten lockert Italien die Ausgangssperren, die zu den strengsten in Europa gehörten. Ab Montag dürfen rund 60 Millionen Menschen erstmals wieder zum Sport oder Spaziergang nach draußen. Industrie und Bauwirtschaft fahren ihre Produktion wieder hoch.

Den Espresso gibt es in Italien momentan nur zum Mitnehmen.  SN/AP
Den Espresso gibt es in Italien momentan nur zum Mitnehmen.

Allerdings bleiben die meisten Geschäfte noch zu. Restaurants und Bars dürfen nur einen Liefer- oder Take-Away-Service anbieten und bleiben bis Juni für Besuche geschlossen. Die Regierung in Rom hatte die Menschen im ganzen Land am 10. März unter Quarantäne gestellt und dann auch die nicht-lebenswichtige Produktion geschlossen.

Deutschland startet mit Corona-Lockerungen in die Woche

Zum Wochenstart werden in vielen Bundesländern die wegen der Corona-Pandemie geltenden Beschränkungen weiter gelockert. Friseure dürfen ihre Salons wieder öffnen, Hunderttausende Schüler können wieder in Schulen lernen. Vergangene Woche hatten sich Bund und Länder bereits darauf geeinigt, Gottesdienste zu erlauben und Spielplätze zu öffnen. Auch Museen und Zoos sollen vielerorts wieder Besucher empfangen, alles unter Hygiene-Auflagen.

Auf einem Spielplatz im Hamburg ist der Sicherheitsabstand auf dem Boden markiert.  SN/AP
Auf einem Spielplatz im Hamburg ist der Sicherheitsabstand auf dem Boden markiert.

Doch die Diskussion über weitere Lockerungen geht weiter. Am nächsten Mittwoch beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder erneut. Von dem Gespräch werden noch weitergehende Schritte erwartet als von dem am vergangenen Mittwoch, als die jetzigen Schritte beschlossen wurden. Vor allem die Wirtschaft macht angesichts des Konjunktureinbruchs massiven Druck.

Franzosen müssen noch etwas warten

Frankreich will die strengen Ausgangsbeschränkungen erst vom 11. Mai an lockern. Das Tragen von Schutzmasken in öffentlichen Verkehrsmitteln soll dann zur Pflicht werden. Geschäfte sollen von diesem Termin an wieder öffnen können. Restaurants oder Cafés werden aber weiter geschlossen bleiben; auch Strände sind für Besucher und Sportler bis mindestens 1. Juni tabu.

Dieser Statue am Trocadero-Platz in der Nähe des Eiffelturms wurde eine Maske aufgesetzt. SN/AP
Dieser Statue am Trocadero-Platz in der Nähe des Eiffelturms wurde eine Maske aufgesetzt.

Gesundheitsminister Olivier Véran warnte am Sonntag zugleich, dass der Termin 11. Mai wackeln könnte, falls die Pandemie bis dahin nicht ausreichend eingedämmt sei. Auch dämpfte Véran in der Zeitung "Le Parisien" die Hoffnung mit Blick auf die Sommerferien. Er wisse nicht, ob die Strände wieder öffnen könnten. Er würde sich persönlich auch kein Flugticket kaufen.

Belgier bleiben noch vorsichtig

Am Montag soll die erste Phase der Lockerung der Auflagen in Belgien beginnen. So sollen wieder mehr Busse und Bahnen fahren, dabei gilt eine Masken-Pflicht für Personen ab zwölf Jahren. Öffnen dürfen Unternehmen, die als Kunden andere Firmen haben, aber keine Privatpersonen bedienen. Auch Stoff- und Kurzwarenläden dürfen aufmachen. Andere Geschäfte jenseits des Lebensmittelhandels sollen noch eine Woche zu bleiben.

In den U-Bahnen in Belgiens Hauptstadt Brüssel herrscht ungewohnte Ruhe. SN/APA/AFP/BELGA/LAURIE DIEFFEMBACQ
In den U-Bahnen in Belgiens Hauptstadt Brüssel herrscht ungewohnte Ruhe.

Sport ist unter Einhaltung der Distanzregeln wieder mit zwei Personen erlaubt, die nicht im eigenen Haushalt wohnen. Das Arbeiten zu Hause soll aber die Regel bleiben, und die Menschen sollen ihr Haus nur selten verlassen - etwa zum Einkaufen, für den Weg zur Arbeit oder zum Arzt. Die nächsten Etappen der Lockerung sind für den 11. und 18. Mai vorgesehen. Erst in Phase drei ist die schrittweise Schulöffnung anvisiert.

Portugal lockert den Lockdown

Von Porto bis Faro kehrt langsam das Leben zurück: Portugal hat am Montag nach dem Ende des sechswöchigen Corona-Ausnahmezustands mit einer Lockerung der strikten Ausgangssperre begonnen. Zunächst durften kleinere Geschäfte mit einer Fläche von bis zu 200 Quadratmetern wieder öffnen, darunter Buch-, Friseur- und Schuhläden sowie Autohäuser. In öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften gibt es aber eine Maskenpflicht.

Am Sonntag haben viele Portugiesen die warmen Temperaturen genossen, wie hier am Miradouro da Graça in Lissabon. SN/AP
Am Sonntag haben viele Portugiesen die warmen Temperaturen genossen, wie hier am Miradouro da Graça in Lissabon.


Auch Sport im Freien ist nun wieder erlaubt. Dafür sollten auch einige Strandabschnitte geöffnet werden, um verschiedene Wassersportarten wie das Surfen zu ermöglichen.
Portugal ist im Vergleich zu anderen Ländern Europas - und speziell zum Nachbarn Spanien - bisher vergleichsweise gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Grund war vor allem eine schnelle Reaktion auf das Virus. Die Zahl der bestätigten Fälle liegt derzeit bei rund 25 000. Mehr als 1000 Menschen starben in Zusammenhang mit Covid-19.

Polnische Pendler müssen nicht mehr in Quarantäne

Polnische Bürger, die in Deutschland, der Slowakei, Tschechien oder Litauen arbeiten oder studieren, müssen von Montag an bei einer Rückkehr nach Polen nicht mehr für 14 Tage in Quarantäne. Für medizinisches Personal und Menschen, die in Pflegeeinrichtungen tätig sind, gilt die Quarantäne-Regelung aber weiter. Hotels, Einkaufszentren und Sportplätze unter freiem Himmel sollen wieder öffnen.

In der Warschauer Altstadt sind kaum Menschen unterwegs.  SN/AP
In der Warschauer Altstadt sind kaum Menschen unterwegs.

Kontrollen an den Grenzen zu anderen EU-Mitgliedstaaten bleiben bis zum 13. Mai bestehen - solange ist das Land auch für Ausländer geschlossen. Ausnahmen gelten für Menschen mit Daueraufenthaltsgenehmigung, für Lastwagenfahrer und Diplomaten.

Serbien hebt ab Donnerstag Ausgangssperren auf

In Serbien gilt der wegen der Corona-Pandemie verhängte Ausnahmezustand ab Donnerstag nicht mehr. Präsident Aleksandar Vucic kündigte die Aufhebung am Sonntagabend im regierungsnahen TV-Sender Pink an. Damit würden auch die Ausgangssperren fallen, fügte er hinzu. Vucic hatte am 15. März den Ausnahmezustand ausgerufen.

In diesem Café in Belgrad könnten bald wieder Menschen sitzen. SN/AP
In diesem Café in Belgrad könnten bald wieder Menschen sitzen.


Bereits am Montag traten gewisse Lockerungen in Kraft. So dürfen nunmehr Gaststätten öffnen, wenn sie ihre Kundschaft draußen bedienen. Auch der öffentliche Verkehr wird schrittweise hochgefahren. Im öffentlichen Raum gelten Abstandsregeln und Maskenpflicht.

Quelle: SN, Dpa

Aufgerufen am 30.09.2020 um 10:17 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/diese-laender-in-europa-lockern-die-corona-regeln-87109897

Kommentare

Schlagzeilen