Weltpolitik

Donald Trump und die Hitler-Vergleiche

Schon im Wahlkampf verglich Anne Franks Stiefschwester Donald Trump mit Adolf Hitler - und auch nach dem Amtsantritt des US-Präsidenten mehren sich die Stimmen derer, die Parallelen ziehen zwischen Trump und dem Aufstieg der Nationalsozialisten in den 1930er Jahren.

US-Präsident Donald Trump: Während in den USA gerne Vergleiche mit Hitler gezogen werden, sind deutsche Experten hier weit vorsichtiger. SN/AP
US-Präsident Donald Trump: Während in den USA gerne Vergleiche mit Hitler gezogen werden, sind deutsche Experten hier weit vorsichtiger.

Lange bevor Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt wurde, äußerte die Stiefschwester der von den Nationalsozialisten ermordeten Anne Frank schon einen Vergleich: "Donald Trump handelt wie ein zweiter Hitler, indem er zum Rassismus anstachelt", schrieb Eva Schloss in einem Essay zum Internationalen Holocaust-Gedenktag 2016.

Rund ein Jahr später ist Trump Präsident, will Muslime aus sieben Ländern nicht mehr in die USA einreisen lassen, will eine Mauer zu Mexiko errichten, Jagd auf illegal einwanderte Menschen machen und diskreditiert mit der Judikative und den Medien regelmäßig die dritte und "vierte" Gewalt im Staat.

Der Autor Ben Rosenbaum, der ein Buch mit dem Titel "Explaining Hitler" (Hitler erklären) geschrieben hat, hat sich nach eigenem Bekunden anfangs dagegen gesträubt, Vergleiche zwischen Adolf Hitler und Trump anzustellen - um Hitler und den Holocaust nicht zu trivialisieren. Nach der Wahl aber, so schreibt er in einem Essay, habe er diese Sicht geändert. "Nur wenige haben Hitler ernst genommen", erläutert er. "Und bevor jemand es überhaupt bemerkte, hatte er die Nationen Europas aufgesammelt wie Spielkarten." Ähnlich wie Trump, meint Rosenbaum, dessen Präsidentschaftskandidatur viel zu lange als chancenlos belächelt wurde.

Der Historiker Timothy Snyder von der renommierten Yale-Universität gibt den USA in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" nach dem Wahlsieg Trumps maximal ein Jahr, "um Amerikas Demokratie zu verteidigen". Er sieht "unheimliche" Parallelen zum Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland und "das Playbook der Dreißiger".

Deutsche Wissenschaftler sind mit Vergleichen vorsichtig

Deutsche Wissenschaftler sind mit dieser Einschätzung vorsichtiger. "Da wird mit großen Kanonen geschossen", sagt die Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, Ursula Münch, der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin der Auffassung, dass das der deutschen Situation in den 1920er und 30er Jahren nicht gerecht wird." Sie sieht die Unterschiede vor allem im Verhalten der US-amerikanischen Justiz. "Wir hatten in Deutschland eine nicht mehr wirklich unparteiische Justiz, die auf dem rechten Auge blind war." Trump, so sagt Münch, "ist ein eigenes Phänomen. Da muss man keine NS-Vergleiche bemühen."

Einen direkten Vergleich würde auch der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) in München, Andreas Wirsching, nicht ziehen. Aber: "Man ist also offenkundig alarmiert in den USA - und das sicher auch zu Recht", sagt er im dpa-Interview. "Die Art und Weise, wie Trump Wahlkampf gemacht hat, seine Inaugurationsrede und sein jetzt erkennbarer Regierungsstil sind ein Bruch mit vielen Konventionen, demokratischen Gepflogenheiten und Traditionen, die zur US-amerikanischen Demokratie gehören."

Ob hinter seinem Vorgehen wirklich der Plan zu einem Regimewechsel steht, wie der Geschichtsprofessor Snyder befürchtet, könne man noch nicht beurteilen. "Dieses impulsive Schießen gegen Medienberichte, die ihm nicht passen, ist in der Person Trumps angelegt und darin, dass er Kritik überhaupt nicht vertragen kann. Da muss nicht zwangsläufig der Plan für einen Regimewechsel dahinterstecken."

Parallelen zum Aufstieg der Nationalsozialisten sieht Wirsching in der Erosion des Parteiensystems und dem Versuch, durch Dekrete wie den Erlass zum - vorerst gestoppten - Einreiseverbot für bestimmte Muslime Rechtsunsicherheit und ein Machtvakuum zu schaffen. "Man kann nur hoffen, dass die konservativen Eliten nicht den gleichen Fehler machen wie in der Weimarer Republik bei Hitler und der Versuchung erliegen, sich Trump irgendwie andienen zu wollen."

Parallelen sieht er im Übrigen auch zwischen Trump und dem Vormarsch der Populisten in Deutschland. "Das sind nationale Ausprägungen ein und derselben Tendenz. Wir beobachten eine Wendung zur Wiederkehr von Freund-Feind-Ideologien - und zwar von rechts. Die USA sind das Mutterland der Demokratie, insofern ist die Entwicklung schon sehr beklemmend."

Quelle: Dpa

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