Weltpolitik

Doppelangriff von IS- und Talibankämpfern in Afghanistan

Angebliche Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und radikalislamische Taliban haben einen Bezirk in Nordafghanistan angegriffen und teilweise erobert. Das bestätigten Provinzbeamte am Mittwochmorgen. Taliban und IS, die verfeindet sind, hätten gegeneinander, aber auch gegen die Sicherheitskräfte gekämpft, sagte der Sprecher des Provinzgouverneurs, Mohammad Reza.

Kampfsituation in Afghanistan ist vollkommen unübersichtlich.  SN/APA (AFP)/NOORULLAH SHIRZADA
Kampfsituation in Afghanistan ist vollkommen unübersichtlich.

Mindestens zehn Sicherheitskräfte seien getötet worden. Zunächst hätten IS-Kämpfer das Zentrum des Darzab-Bezirks angegriffen. Die Kämpfe hätten bis Dienstagabend gedauert, sagte Resa. Die Taliban hätten dann den IS attackiert, woraufhin die Streitkräfte bis Mitternacht mit beiden Lagern gekämpft hätten.

Berichte über die Lage im Bezirk blieben widersprüchlich. Die Taliban erklärten in der Nacht einen Sieg und die Eroberung aller Sicherheitsposten. Nach ihren Angaben wurden 17 Sicherheitskräfte getötet. Der IS meldete, er habe sieben Sicherheitsposten erobert und acht Soldaten getötet. Gouverneurssprecher Reza sagte, einige Gegenden seien in der Gewalt von IS und Taliban, aber das Zentrum sei nicht gefallen.

Provinzratsmitglied Halima Sadaf sagte, der IS habe seit Monaten in unsicheren Bezirken rekrutiert und Rekruten trainiert. Die Etikettierung als IS ist aber mit Vorsicht zu betrachten. Der IS war in Afghanistan erst 2015 aufgekommen und hatte nie viele Kämpfer. Die Provinz Nangarhar blieb seine einzige große Basis. Gerüchte über IS-Gruppen in anderen Provinzen stellten sich oft als falsch oder zu oberflächlich heraus.

Denkbar wäre, dass die Angreifer der Islamischen Bewegung von Usbekistan (IMU) angehören. Teile der ehemals mit Al-Kaida verbündeten IMU hatten dem IS 2015 die Gefolgschaft geschworen. Nach Berichten von Radio Free Europe hat sie vor einiger Zeit die Rekrutierung wieder aufgenommen. Nach anderen Quellen wird der angebliche IS in der Provinz von einem Ex-Talibankommandant geleitet.

Quelle: Apa/Dpa

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