Weltpolitik

Durchhalteappell von IS-Chef an Kämpfer in Mosul

IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi hat nach Angaben der Terrormiliz Islamischer Staat seine Kämpfer zur Verteidigung der umkämpften irakischen Stadt Mosul aufgefordert. Selbstmordattentäter sollten sich in der IS-Hochburg "dem Feind stellen und ihr Blut in Flüsse verwandeln", heißt es in einer Audiobotschaft, die in der Nacht auf Donnerstag veröffentlicht wurde und von Al-Bagdadi stammen soll.

Durchhalteappell von IS-Chef an Kämpfer in Mosul SN/APA (Archiv/AFP)/STR
Audiobotschaft wird Abu Bakr al-Bagdadi zugeschrieben.

Die Kämpfer sollten in der Stadt ausharren, auf die irakische Streitkräfte und ihre Verbündeten in einer großen Offensive aus mehreren Richtungen vorrücken. Die Echtheit der Audiobotschaft Al-Bagdadis konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Auch ist unbekannt, wo sich der Terrorführer aufhält und von wann die Aufnahme stammt. "Macht ihre Tage zu dunklen Nächten", forderte der selbst ernannte Kalif seine Kämpfer in der mehr als 31-minütigen, predigtartigen Botschaft auf. "Dieser Krieg ist euer Krieg."

In seiner Audiobotschaft sagte Al-Bagdadi zudem, dass die Luftangriffe des US-geführten Bündnisses sowie solche von Russland den Islamischen Staat nicht schwächen würden. Zudem richtete er sich gegen die Türkei, die im August zusammen mit verbündeten Rebellen in Syrien einmarschiert war und den IS aus einigen Gebieten an der Grenze vertrieben hatte. Dem streng konservativen Saudi-Arabien warf er vor, das Königreich in einen säkularen Staat zu verwandeln. Er rief dazu auf, das Land anzugreifen.

Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Botschaft drangen irakische Truppen vom Osten her weiter auf das Stadtgebiet von Mosul vor. Das Vorrücken der irakischen Truppen innerhalb Mosuls sei ein "Meilenstein", twitterte der US-Sonderbeauftragte für die IS-Bekämpfung, Brett McGurk. Die Truppen würden an allen Fronten vorrücken und seien schneller, als der Zeitplan es vorsehe. Die kurdische Nachrichtenseite Rudaw veröffentlichte Fotos von Männern im Vorort Gogjali, die sich nach der Befreiung vom IS die unter der Jihadisten-Herrschaft obligatorischen Bärte abrasieren.

Der IS verstärkte nach Armeeangaben seine Gegenwehr. Dabei setzten die Kämpfer vor allem mit Sprengstoff beladene Autos ein, in denen sich Selbstmordattentäter nahe der Feinde in die Luft sprengen sollen. In der Region um die strategisch wichtige Stadt Tell Afar, an der die Überlandstraße von Mosul in die IS-Gebiete Syriens liegt, seien Autobomben die einzige Waffe, auf die die Jihadisten setzten, berichtete das Staatsfernsehen. In der Region etwa 80 Kilometer westlich von Mosul versuchen schiitische Milizen, Mosul vom Rest des IS-Herrschaftsgebietes zu isolieren.

IS-Extremisten beherrschen die nordirakische Stadt Mosul seit Anfang Juni 2014. Hier trat Al-Bagdadi erstmals als Anführer seines zuvor ausgerufenen "Kalifats" auf. Heute ist die ehemalige Millionenstadt nach Verlusten die letzte verbliebene IS-Hochburg im Land. Schätzungen zufolge halten sich zwischen 800.000 und mehr als einer Millionen Zivilisten in der Stadt auf. Sie sind Hilfsorganisationen zufolge wegen der Kämpfe und der schlechten Versorgungslage akut bedroht.

Mitte Oktober begann ein Bündnis aus irakischer Armee, kurdischen Peschmerga und lokalen Milizen eine Offensive zur Befreiung von Mosul. Sie greifen die Stadt aus mehreren Richtungen an und konnten mittlerweile im Osten bis in die Außenbereiche Mosuls vordringen. Unterstützt werden sie von Luftangriffen einer US-geführten Militärkoalition.

Amnesty International warf an der Offensive beteiligten irakischen Milizen indes vor, Dorfbewohner im Südosten Mosuls "illegal festgenommen, öffentlich gedemütigt und gefoltert" zu haben. Örtliche Funktionsträger und Augenzeugen berichteten demnach, von Mitgliedern der sunnitischen Sabawi-Miliz geschlagen und mit Stromschlägen gequält worden zu sein. Die Sabawi-Miliz gehört zu den Volksmobilisierungseinheiten, einem Bündnis aus überwiegend schiitischen, vom Iran unterstützen Milizen.

Nach Angaben der Hilfsorganisation World Vision flohen seit dem Beginn der Mosul-Offensive am 17. Oktober 20.000 Menschen aus der Stadt. Den Schätzungen von UNICEF zufolge sind 9.700 davon Kinder, die dringend Unterstützung benötigen, hieß es in einer Mitteilung am Donnerstag. UNICEF Österreich bittet daher dringend um Spenden für die vertriebenen Kinder im Nordirak.

Kinder erreichten die Flüchtlingslager verängstigt und vollkommen eingeschüchtert, erklärte Aaron Moore, Leiter der World Vision Programme im Nordirak. Hilfsorganisationen und die UNO befürchten, dass im Zuge der Kämpfe Hunderttausende Menschen flüchten werden.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 19.09.2018 um 07:14 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/durchhalteappell-von-is-chef-an-kaempfer-in-mosul-921733

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