Weltpolitik

Ein Septembertag im Leben eines Piloten

Vor fünfzehn Jahren hielt die Welt inne. Die meisten Menschen starrten auf einen Fernseher und verfolgten mit, wie zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Center rasten. Christian Riedel saß in einem Cockpit mit Ziel USA.

Der 11. September 2001 bedeutet für den Piloten Christian Riedel eine Zeitenwende. Danach war in seinem Job nichts mehr wie vorher.

SN: Es war 8.45 Uhr in New York, als das erste Flugzeug den Nordturm des World Trade Centers rammte. Wo waren Sie da?
Christian Riedel: Ich war im Flugzeug, einem Airbus 340-300, über der Ostküste von Grönland, als das erste Hochhaus eingestürzt ist. Es war ein Linienflug von Wien nach Chicago, wir hatten etwa 290 Passagiere an Bord. Da kam die erste Information, dass irgendetwas in New York passiert ist. Bis wir dann über Grönland drüber waren, an der Westküste, ist das zweite Flugzeug in den zweiten Tower geflogen. Dann war relativ schnell klar, dass der Luftraum gesperrt ist und wir wieder retour fliegen müssen.
SN: Was ging Ihnen als Pilot durch den Kopf, als Sie hörten, was da passiert ist?
Es war nicht gleich bekannt, was genau geschehen war. Die Erstinformation war: Ein Sportflugzeug ist ins World Trade Center geflogen. Das war die Vermutung. Erst mit dem Crash des zweiten Turms konnte man ahnen, dass das vielleicht etwas Gesteuertes war. Eine Absicht. Das Ausmaß des Ganzen haben wir während des Flugs noch nicht erfasst. Außer dass der Luftraum über den USA und Kanada großflächig gesperrt wurde. Und dass die Flugzeuge entweder umkehren konnten, wenn genug Treibstoff an Bord war, oder in Neufundland landen mussten.
SN: Können Sie sich erinnern, welche Durchsage Sie gemacht haben?
Ich kann mich nicht mehr genau an den Wortlaut erinnern. Ich weiß nur, dass wir die Passagiere offen behandelt haben, was die Informationspolitik betrifft. Nachdem die Flugzeuge alle Satellitentelefone eingebaut gehabt haben, hat der mündige Passagier, nachdem er gehört hatte, dass der amerikanische Luftraum gesperrt ist, sofort das Telefon genommen und in den USA angerufen. Viele haben gewusst, was Sache ist. Aber abgesehen davon ist es sowieso immer am besten, man bleibt bei der Wahrheit.

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