Weltpolitik

Eine Frau folgt auf Angela Merkel

Auf dem Hamburger CDU-Parteitag wurde die bisherige Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer im zweiten Wahlgang am Freitag zur neuen Parteichefin gewählt.

Selten war ein CDU-Parteitag so spannend wie dieser, als es um die Nachfolge von Angela Merkel als Parteichefin ging. Am Schluss waren von mehr als zehn Interessenten nur noch drei übrig geblieben. Im zweiten Wahlgang machte die bisherige Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer mit knappen 35 Stimmen mehr als er frühere Fraktionschef Friedrich Merz das Rennen. Gesundheitsminister Jens Spahn war im ersten Wahlgang mit beachtlichen 15,7 Prozent ausgeschieden.


AKK bedankte sich anschließend bei ihren Mitbewerbern für den fairen Wahlkampf, der der Partei insgesamt Auftrieb gegeben habe. Diesen Aufschwung gelte es weiterzuführen. Die neue CDU-Chefin erklärte, sie würde sich freuen, wenn Spahn und Merz weiterhin dabei seien: "Für beide ist ein Platz ins dieser Partei." Mit der Wahl von AKK spricht vieles dafür, dass Deutschland demnächst die zweite Frau in Folge an der Spitze hat.

AKK war schon mit viel Beifall empfangen worden. Sie begeisterte dann mit einer starken Rede, mit der sie die Herzen der Delegierten ansprach. Roter Faden ihrer Rede war der Satz: "Wenn wir den Mut haben, werden wir es schaffen." Darunter zählte AKK alles auf, was die Delegierten gerne hören wollten, angefangen vom Wahlziel 40 Prozent über die stärkere Betonung des C (christlich) im Parteinamen bis zur Abgrenzung nach rechts und der Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs im ländlichen Raum.

Und sie vergaß auch nicht auf die Verdienste Merkels mit einem einfachen "Danke Angela" zu verweisen. Merkel hatte sich zuvor zwar nicht explizit für Kramp-Karrenbauer ausgesprochen, aber deutlich an deren Wahlsieg im Saarland erinnert. Daran knüpfte AKK an, als sie auf ihre 18-jährige Regierungserfahrung im kleinsten Bundesland verwies: "Ich habe gelernt zu führen. Dabei kommt es mehr auf innere Stärke als auf Lautstärke an."

Merz: Rede wirkte abgehoben

Der als begnadeter Rhetoriker bekannte Merz hatte offensichtlich nicht seinen besten Tag. Seine Rede wirkte in der ersten Hälfte etwas professoral abgehoben. Ihm wird ja gerne eine leichte Arroganz unterstellt. Erst als er zur Attacke auf die Grünen überging, brandete heftiger Beifall auf. Auf große Zustimmung stieß auch seine Forderung, dass "auch die Konservativen bei uns ihren Platz haben" müssen. Da er im Osten besonders gut ankommt, spielte Merz auch hier seinen Trumpf: "Wir überlassen den Osten des Landes nicht den Populisten von links und rechts."

Merz versicherte einmal mehr, dass er gut mit Kanzlerin Merkel zusammenarbeiten würde. Vor Jahren hatte er sich bekanntlich wegen Unstimmigkeiten mit Merkel aus der Politik zurück gezogen. Jetzt versicherte er, dass "bei uns immer das Land vor der Partei und die Partei vor dem Einzelnen" komme. "Daran wird sich auch Friedrich Merz halten." Er wolle die Partei als Vorsitzender eines Teams führen, sagte er, das auch Flügelstürmer zulasse. Ausdrücklich hielt er fest, dass auch AKK und Spahn ihren Platz in der engsten Führung haben müssten. AKK hatte angekündigt, im Fall einer Niederlage künftig nur noch ehrenamtlich für die CDU tätig zu sein.

Als Letzter kam Spahn an die Reihe. Immer wieder kokettierte er mit den Umfragen, die ihm den dritten Platz prophezeit hatten. Man habe ihn aufgefordert, seine Kandidatur zurückzuziehen. Aber mit Verweis darauf, dass Helmut Kohl bei der Wiedervereinigung und Merkel bei der Spendenaffäre auch nicht gezögert hätten, meinte er, dass gute Zukunft manchmal Ungeduld brauche. Zudem verwies Spahn auf die Überalterung der Partei. Man brauche dringend jüngere Menschen in der CDU.

Merkels letzter Parteitag als Parteivorsitzende war für sie ein Jubelparteitag, an dem es für sie Standing Ovations und zum Abschied ein Taktstock des berühmten Dirigenten Kent Nagano gab. 18 Jahre lang hat Merkel die CDU geführt und vor allem gesellschaftlich modernisiert. In dieser Zeit habe die SPD zehn Chefs gehabt, so machte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier den Unterschied zur anderen Volkspartei deutlich. Und ganz zum Schluss ertönte der Kinks-Oldie "Thank you for the days..."

Zum Abschluss sagte Merkel, sie sei nicht als Kanzlerin geboren worden. Und sie habe sich immer vorgenommen, in Würde abzutreten. Jetzt sei es an der Zeit: "Es war mir eine große Freude, und es war mir eine Ehre." Mit diesem Schritt hat Merkel aber auch auf den zunehmenden Druck von der Straße und aus der eigenen Partei reagiert.

Merkel trat aber nicht ab, ohne gewissermaßen ein Vermächtnis zu hinterlassen. Die CDU müsse ihre Interessen immer nach innen und außen verteidigen, betonte sie. Diese seien heute aber andere als im Jahr 2000: "Und das ist gut so", sagte sie unter großem Beifall der Delegierten. Da war ein deutlicher Fingerzeig an die Partei, ihren Modernisierungskurs beizubehalten. Die CDU müsse sich zwar mit neuen Köpfen in die Zukunft orientieren, "aber mit bleibenden Werten".

Unter ein Delegierten herrschte Zuversicht, dass der Wahlausgang zu keiner Spaltung der Partei führen wird. Zuerst kämpfe man, aber danach schließe man wieder die Reihen, hieß es. "Da sind wir anders als die SPD", zeigte sich ein hessischer Delegierter überzeugt. Andere Delegierte äußerten sich ähnlich, wobei die befragten Frauen im Gegensatz zu den Männern ihre Sympathie für AKK mehr als deutlich machten.

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