Weltpolitik

Einer, der die Welt veränderte

Für die einen bleibt er ein Verräter, der hinter Gitter gehört. Für die anderen ist Edward Snowden ein Held, der geschützt werden muss

Eduard Snowden, der berühmteste Whistleblower. SN/AFP
Eduard Snowden, der berühmteste Whistleblower.

Wer die Deutsche Botschaft in Washington betritt, muss an der Pforte sein Smartphone oder Tablet in ein Schließfach einsperren. Das Mitführen elektronischer Geräte, die in Wort, Ton oder Bild Aufzeichnungen machen könnten, ist nicht mehr erlaubt. Es gehört heute zum Allgemeinwissen von Behörden, Politikern und Journalisten gleichermaßen, potenziell vom "großen Bruder" überwacht zu werden.

Dazu zählen nicht bloß die amerikanischen Dienste. Alle machen mit. Chinesen, Russen, Israelis und natürlich auch der deutsche Bundesnachrichtendienst. Die Aufregung über die Bespitzelung des Handys der deutschen Bundeskanzlerin entpuppte sich als peinlich, nachdem herauskam, dass der deutsche BND dem amerikanischen Nachrichtendienst NSA bereitwillig half, europäische Verbündete zu bespitzeln.

All das kam in Folge der Entscheidung Eduard Snowdens ans Tageslicht, viele tausend streng geheime Dokumente über die Überwachungsaktivitäten von NSA & Co strategisch an Journalisten weiterzugeben. Erstmals berichteten der britische "Guardian" und die "Washington Post" am 5. Juni 2013 über die bis dahin verborgene Welt der Massenüberwachung.

Seitdem ist der Whistleblower auf der Flucht. Er wird in seiner Heimat gesucht und ist in der EU unerwünscht, dessen Ländern den 34-Jährigen an die USA ausliefern müssten. Paradoxerweise fand Snowden Zuflucht in einem Land, das es mit den Privat- noch den Freiheitsrechten noch weniger genau nimmt. Doch das Asyl, dsa Russlands Präsident Wladimir Putin gewährte, kann jederzeit enden.

Nicht nur deshalb wäre der ehemalige NSA-Vertragsarbeiter lieber woanders. Dennoch bereut Snowden nichts. In einem Podcast mit dem Journalisten Mehdi Hasan bekräftigt er seinen Glauben an eine bessere Welt. "Aber nichts wird besser, außer wir tun etwas dafür. Dazu braucht es Risikobereitschaft, harte Arbeit und letztendlich vielleicht auch Opfer."

Aus Sicht der betroffenen Dienste erweist sich der Fundus an geheimen Dokumenten als großes Ärgernis. "Im vergangenen Jahr hatten wir mehr internationale, mit Snowden in Verbindung stehende Dokumente und Lecks als je zuvor", sagt Bill Evanina, Chef des amerikanischen "National Counterintelligence and Security Center".

Dazu gehören eine kürzlich durchgesickerte Geschichte über ein Massenüberwachungsprogramm des engen US-Verbündeten Japan sowie ein Bericht über die Bemühungen des elektronischen Abhördienstes NSA, über die Bitcoin-Gemeinde in den Besitz von Informationen über Terrorismus, Drogenhandel oder Geldwäsche zu gelangen.

Der Chef des britischen Geheimdienstes GCHQ, Jeremy Fleming, betonte in einer seltenen Stellungnahme zum fünften Jahrestag der Enthüllungen den Schaden, den Snowden angerichtet habe. Selbst wenn nur ein Prozent der Dokumente das Licht der Öffentlichkeit erlangt hätten, müssten die Dienste davon ausgehen, dass auch die übrigen 99 Prozent seien nicht mehr geheim seien. Dafür müsse Snowden zur Verantwortung gezogen.

Auch in den USA halten viele den Flüchtigen für einen Verräter. Donald Trump sagte im Wahlkampf, er würde sich dafür einsetzen, dass Snowden zum Tode verurteilt werde.

Doch die Änderungen im Alltag bleiben unübersehbar. Insbesondere gerieten "Big Data", also die großen Verarbeiter von Daten wie die Internet-Riesen Google und Facebook unter Druck, ihren Nutzerschutz zu verbessern.

Weiterlesen wenn Sie mehr wissen wollen

7 Tage lang kostenlos und unverbindlich.

Ihr 7-Tage-Test ist bereits abgelaufen. Lesen Sie jetzt weitere 30 Tage kostenlos.

Mehr Infos

Sie sind bereits Digitalabonnent?

Aufgerufen am 15.10.2018 um 10:30 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/einer-der-die-welt-veraenderte-28863211