Weltpolitik

Empörung im Iran über Anpöbelung von Präsident Rouhani

Angriffe radikaler Demonstranten auf Präsident Hassan Rouhani haben im Iran Empörung ausgelöst. Rouhani war am Freitag während einer Kundgebung in Teheran auf offener Straße angepöbelt worden. Dabei versuchten Hardliner laut dem Nachrichtenportal Khabar Online auch, das Auto des Präsidenten anzugreifen. "Das war ein bitterer sowie hässlicher Zwischenfall", titelte die Zeitung "Etemad" am Samstag.

Der Präsident wurde angepöbelt.  SN/apa (afp)
Der Präsident wurde angepöbelt.

Die Sicherheitskräfte verhinderten einen Angriff auf Rouhanis Auto. Doch wurde der Präsident von Demonstranten heftig beschimpft. Sie riefen unter anderem "Wir wollen keinen amerikanischen Mullah" - eine Anspielung auf Rouhanis Kurs der Reformen und Öffnung.

Für ernsthafte Diskussionen im Land sorgte der Slogan "Rouhani, Banisadr, Glückwunsch zu eurer Vereinigung". Er wurde als indirekte Drohung der Hardliner aufgefasst, dass Rouhani das gleiche Schicksal erleiden werde wie Abolhassan Banisadr und ihm der demokratische Wahlsieg im Mai auch nicht helfen könnte. 

Banisadr war 1980 mit fast 80 Prozent der Stimmen zum ersten Präsidenten in der iranischen Geschichte gewählt worden. Doch nach nur einem Jahr wurde er - offiziell wegen fehlender Kompetenz, de facto wegen Kritik am zunehmenden politischen Einfluss des Klerus - vom Parlament gestürzt. Er floh als Frau verkleidet nach Frankreich, wo er bis heute im Exil lebt. 

Vertreter der Regierung und des Parlaments verurteilten die Angriffe. Es sei inakzeptabel, dass ein von 60 Prozent des Volkes demokratisch gewählter Präsident von einer Minderheit dermaßen beleidigt oder gar bedroht werde. Auf Twitter verkündeten zahlreiche Iraner in Gruppen wie "Wir unterstützen Rouhani" oder "Rouhani ist nicht alleine" ihre Solidarität mit dem Präsidenten. 

Neben den Präsidentenwahlen 2013 und 2017 haben die Reformer auch die Parlamentswahl 2016 sowie die Kommunalwahlen 2017 klar für sich entschieden. Verärgert sind Klerus und Hardliner besonders über die eigentliche Botschaft der Wähler, die weniger Islam in Politik und Gesellschaft im Mullah-Staat haben wollen, wenn auch Rouhani selbst aus den Reihen der Geistlichkeit stammt.

Quelle: Apa/Dpa

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