Weltpolitik

Entscheidung über Revision im Fall Asia Bibi Ende Jänner

Das Oberste Gericht Pakistans soll am 29. Jänner über eine Revision gegen den Freispruch für die wegen Blasphemie ursprünglich zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi entscheiden. Das sagte ein Anwalt der Gegner Bibis der Nachrichtenagentur AFP. Die Christin war nach mehr als neunjähriger Haft Ende Oktober vom Höchstgericht freigesprochen und am 8. November aus dem Gefängnis entlassen worden.

Islamisten forderten bei Protesten Asia Bibis Todesstrafe SN/APA (AFP)/AAMIR QURESHI
Islamisten forderten bei Protesten Asia Bibis Todesstrafe

Nach dem Urteil hatten Islamisten mit gewaltsamen Protesten eine Vollstreckung der Todesstrafe verlangt. Die pakistanische Regierung sagte daraufhin zu, Bibi keine Ausreise zu genehmigen bis das Oberste Gericht über eine etwaige Revision des Freispruchs befindet. Bibi lebt seither an einem geheimen Ort in Pakistan und wird bewacht, um sie vor Übergriffen zu schützen.

Sollten die Richter den Berufungsantrag ablehnen, könnte die Christin ihr Heimatland verlassen. Unter anderen haben sich Kanada und Deutschland bereit erklärt, die Frau mit ihrer Familie aufzunehmen. In Österreich appellierte laut Kathpress unter anderem Kardinal Christoph Schönborn an die Bundesregierung, Asia Bibi ein Visum auszustellen und ihr Zuflucht anzubieten.

Die katholische Landarbeiterin Asia Bibi hatte im Juni 2009 während der Feldarbeit in ihrem Dorf für ihre muslimischen Kolleginnen Wasser aus einem Brunnen geholt. Zwei von ihnen beschwerten sich anschließend darüber, dass sie als Christin auch aus dem Gefäß getrunken und damit das Wasser verunreinigt habe. Außerdem habe sie den Propheten Mohammed beleidigt.

Bibi bestritt die Vorwürfe, wurde aber verhaftet und im November 2010 in erster Instanz zum Tod durch den Strang verurteilt. Im Oktober 2014 bestätigte ein Berufungsgericht das Urteil, im Juli 2015 setzte der Oberste Gerichtshof die Todesstrafe aus und machte damit den Weg frei für eine erneute Anhörung, die letztlich Ende Oktober 2018 mit einem Freispruch endete. Auch Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI. haben sich mehrfach öffentlich und auf diplomatischem Weg für Bibis Freilassung eingesetzt.

Menschenrechtsaktivisten sehen in Asia Bibi ein Symbol für den Missbrauch des Blasphemiegesetzes in Pakistan, der laut Kritikern häufig in persönlichen Konflikten herangezogen wird.

Blasphemie ist im streng konservativ-islamischen Pakistan ein folgenschwerer Vorwurf. Rund 40 Menschen verbüßen dort nach Schätzungen eines US-Ausschusses zur Religionsfreiheit wegen entsprechender Anschuldigungen derzeit lebenslange Gefängnisstrafen oder warten auf ihre Hinrichtung. Immer wieder kommt es wegen Blasphemie-Vorwürfen auch zu Lynchmorden.

95 Prozent der Bevölkerung in Pakistan sind Muslime. Der Rest sind die Minderheiten der Christen, Hindus, Sikhs und Parsen. Insgesamt leben in Pakistan sechs Millionen Christen, die zusammen etwa zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen. Zur katholischen Kirche bekennen sich rund 1,5 Millionen Menschen.

Quelle: Apa/Ag.

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