Weltpolitik

Entsetzen zum Maidan-Jubiläum

Vor fünf Jahren begann in Kiew der Maidan-Aufstand. Aber die Ukrainer, die damals für europäische Zustände in ihrem Land auf die Straße gingen, sind heute entsetzt über Staatschef Petro Poroschenko. Aber auch über seine möglichen Gegenkandidaten bei den Präsidentschaftswahlen im März.

Im Städtchen Smila sind seit Tagen die Heizungen kalt. Weil die Behörden Gasrechnungen nicht bezahlt haben. "Gebt den Leuten schleunigst Gas und Wärme! Auf meine Verantwortung! Ihr habt ein paar Stunden!", polterte deshalb Petro Poroschenko. Sollte man dort nicht in der Lage sei, eine Entscheidung zu fällen, dann nehme er die Sache selbst in die Hand, verkündete er.
Der ukrainische Staatschef gibt sich neuerdings sehr entschlossen. Aber Poroschenko hat ein großes Problem: Die Ukrainer glauben ihm nicht mehr.
Mittwoch jährte jährt sich zum fünften Mal der Beginn der Maidan-Revolution. Am 21. November 2013 gingen in Kiew zweitausend Bürger, darunter viele Studenten auf die Straße. Aus Protest gegen die Entscheidung der Regierung des damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch, die praktisch schon abgeschlossenen Verhandlungen über einen Assoziierungsvertrag mit der EU zu stoppen. Die Protestbewegung, die sich auf dem Maidan, dem zentralen Platz Kiews, versammelte, wurde deshalb auch Euro-Maidan getauft. Aber sie eskalierte zu einem Massenaufstand gegen Janukowitsch, gegen die Willkür, Korruption und Putin-Nähe seines Regimes. Und sie gipfelte im Februar 2014 in blutigen Straßenschlachten mit der Polizei, bei denen mehr als hundert Menschen, meist Maidan-Anhänger, ums Leben kamen. Am Ende floh Janukowitsch nach Russland, der milliardenschwere Schokoladenfabrikant Poroschenko, der den Euro-Maidan unterstützt hatte, wurde im Mai 2014 zu seinem Nachfolger gewählt.

7 Tage lang kostenlos und unverbindlich.

Ihr 7-Tage-Test ist bereits abgelaufen. Lesen Sie jetzt weitere 30 Tage kostenlos.

Mehr Infos

Sie sind bereits Digitalabonnent?

Aufgerufen am 09.12.2018 um 11:58 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/entsetzen-zum-maidan-jubilaeum-61241683