Weltpolitik

Erdogan droht mit Ausweitung von Einsatz in Syrien

Im Norden Syriens steigt das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation zwischen den NATO-Partnern Türkei und USA. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte der von den USA unterstützten syrischen Kurdenmiliz YPG am Mittwoch mit einer großflächigen Bekämpfung. Angefangen werde damit in der Region Manbidsch. US-Präsident Donald Trump forderte Erdogan zur Zurückhaltung auf.

Erdogan will Kurdenmiliz YPG großflächig bekämpfen SN/APA (AFP)/ADEM ALTAN
Erdogan will Kurdenmiliz YPG großflächig bekämpfen

In Afrin, wo seit mehreren Tagen ein türkischer Luft- und Bodeneinsatz gegen die YPG läuft, sind keine US-Militärs aktiv. Ein Sprecher der von den USA angeführten internationalen Militärallianz zur Bekämpfung der radikalislamischen IS-Miliz erklärte: "Die Koalitionskräfte sind in dem Gebiet und sie haben das inhärente Recht, sich selbst zu verteidigen. Wenn nötig, werden sie das tun."

In dem türkischen Grenzort Kilis schlugen unterdessen nach Angaben lokaler Behörden zwei Raketen ein, die von Afrin aus abgefeuert worden seien. Zwei Menschen seien getötet, elf weitere verletzt worden, erklärte Gouverneur Mehmet Tekinarslan.

Die syrischen Kurden haben seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs drei autonome Bezirke geschaffen, darunter Afrin an der Grenze zur Türkei. Mit ihrer "Ölzweig"-Offensive in Afrin hat die Türkei eine neue Front im syrischen Bürgerkrieg eröffnet. Manbidsch gehört zu einem größeren Gebiet, das von den ebenfalls US-unterstützten Syrischen Demokratischen Streitkräften (SDF) kontrolliert wird. Dort wollen die USA für Stabilität und Wiederaufbau sorgen.

Erdogan sagte in Ankara, die Türkei werde "die Spielchen an ihrer Grenze durchkreuzen". Er forderte zudem internationale Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) auf, den Einsatz gegen die YPG zu unterstützen. "Ich habe Zweifel an der Menschlichkeit derer, die dieser Organisation helfen und die Türkei einen Angreifer nennen", sagte er.

Die Regierung in Ankara rechnet nach eigener Darstellung nicht damit, dass es während ihrer Offensive zu einer direkten Konfrontation mit dem US-Militär kommt. Dafür gebe es nur um Manbidsch eine geringe Chance, sagte Vize-Ministerpräsident Bekir Bozdag. Die Türkei sei zu jeder Form der Zusammenarbeit mit den USA und Russland bereit, wenn dies der Region Frieden bringe. Die USA und Russland haben Truppen in Syrien, die gegnerische Parteien unterstützen. Wie sie rief auch die Bundesregierung die Türkei zur Zurückhaltung auf.

Ein Sprecher des Militärrats von Manbidsch sagte, seine von den USA unterstützte Gruppe habe Truppen an die Front verlegt, um auf einen potenziellen Angriff der Türkei oder ihrer Verbündeten reagieren zu können. "Natürlich setzen wir unsere Koordination mit der internationalen Koalition mit Blick auf den Schutz Manbidschs fort", fügte er hinzu. Die Allianz führe bereits verstärkt Patrouillen durch. Das wies Koalitionssprecher Ryan Dillon zurück. Allerdings sei man durch "das was passiert, alarmiert".

Bei dem Einsatz in Afrin wurden nach türkischen Angaben mindestens 260 YPG- sowie IS-Kämpfer getötet. Der führende SDF-Vertreter Redur Xelil bezeichnete dies als Lüge, um die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Die ganze Welt wisse, dass der IS nicht in Afrin präsent sei. Die von der Türkei genannte Zahl der getöteten SDF- und YPG-Kämpfer sei maßlos übertrieben.

US-Präsident Trump rief seinen türkischen Erdogan zur Zurückhaltung auf. Erdogan müsse jegliche Aktionen unterlassen, durch die es zu einem direkten Konflikt mit US-Soldaten kommen könnte, sagte Trump am Mittwoch nach Mitteilung des amerikanischen Präsidialamtes in einem Telefonat mit Erdogan.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

Aufgerufen am 15.11.2018 um 02:09 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/erdogan-droht-mit-ausweitung-von-einsatz-in-syrien-23338825

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