Weltpolitik

Ermittlungen im Fall Skripal ausgeweitet

Die Polizei hat die Ermittlungen im Fall der Nervengiftattacke auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter ausgeweitet. Medienberichten zufolge nahmen Ermittler am Freitag das Haus Skripals im südenglischen Salisbury in den Fokus. Laut Medien könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass Skripal bereits in seinem Haus mit dem Nervengift in Kontakt gekommen sein könnte.

Zwei Menschen schweben noch in Lebensgefahr SN/APA (AFP)/CHRIS J RATCLIFFE
Zwei Menschen schweben noch in Lebensgefahr

Noch ist unklar, wie und wann dem Ex-Spion und seiner Tochter das Gift verabreicht wurde. Bisher hatten sich die Ermittlungen auf mehrere Lokale und einen Park im Stadtzentrum konzentriert. Wie Scotland Yard am Freitag mitteilte, wurden Spezialeinheiten des Militärs angefordert, um mehrere Fahrzeuge und andere Gegenstände von dort zu entfernen. Das Militär habe die Expertise und Ausrüstung, um mit Unvorhersehbarkeiten umzugehen, hieß es in der Mitteilung.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow wies unterdessen Spekulationen, Moskau habe eine Rolle in dem Fall, als "Propaganda" zurück. Es gebe bisher keine Beweise oder Fakten, sagte Lawrow am Freitag in Äthiopien. Die Spekulationen zielten darauf ab, "Spannungen zu erhöhen". Wenn es ein ernsthaftes Interesse an einer Zusammenarbeit bei den Ermittlungen gebe, sei Russland bereit dazu. Allerdings solle man nicht mit "unbegründeten Anschuldigungen" zu den Medien rennen, sagte der Außenminister.

Sergej Skripal und seine Tochter Julia (Yulia) waren am Wochenende auf einer Parkbank in der Nähe eines Einkaufszentrums in Salisbury mit Vergiftungserscheinungen aufgefunden worden. Sie kämpfen seitdem in einem Krankenhaus um ihr Leben. 19 weitere Menschen wurden nach dem Attentat medizinisch behandelt.

Ein Polizeibeamter, der Skripal und seiner Tochter zu Hilfe geeilt war und zeitweise ebenfalls im Koma lag, ist den Behörden zufolge inzwischen ansprechbar. Er befinde sich aber immer noch in einem ernsten, wenn auch stabilen Zustand. Der Gesundheitszustand Skripals und seiner Tochter sei weiterhin "sehr ernst", sagte die britische Innenministerin Amber Rudd am Freitag während eines Besuchs in Salisbury. Die Anti-Terror-Polizei geht von einem Mordanschlag auf Skripal mit einem Nervengift aus. Welche Substanz verwendet wurde, ist weiter unklar.

Der frühere Scotland-Yard-Chef Ian Blair forderte unterdessen, einen neuen Blick auf weitere mysteriöse Todesfälle mit Russland-Bezug aus der Vergangenheit zu werfen. Den Antrag hatte bereits die Labour-Abgeordnete und Vorsitzende des Innenausschusses, Yvette Cooper, im Parlament gestellt. Das Online-Nachrichtenmagazin Buzzfeed hatte im vergangenen Jahr unter Berufung auf Geheimdienstquellen über 14 mysteriöse Todesfälle in Großbritannien mit Russland-Bezug berichtet.

"Ich bin klar der Meinung, dass dieser außergewöhnliche Fall ein guter Anlass ist zu sagen: Lasst uns nochmal einen genauen Blick darauf haben und schauen, ob es ein Muster gibt, wenn Leute beim Joggen tot umfallen und in ihrem Haus in Surrey tot gefunden werden und so weiter", sagte Blair am Freitag gegenüber dem Radiosender BBC 4.

Skripal, ein früherer Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU, war 2006 in Russland wegen des Vorwurfs der Spionage für Großbritannien zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Er soll russische Agenten an den britischen Geheimdienst MI6 verraten haben. Im Zuge eines Austauschs zwischen Russland und den USA kam er 2010 nach Großbritannien.

Der Fall erinnert an den Giftmord an dem Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko im Jahr 2006 und hat inzwischen einen diplomatischen Schlagabtausch zwischen Moskau und London ausgelöst. Die britische Regierung hatte mit einer "angemessenen und robusten" Reaktion gedroht, sollte sich herausstellen, dass Moskau hinter dem Angriff steckt.

Quelle: Apa/Dpa

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