Weltpolitik

Ermordung deutscher Geisel auf den Philippinen bestätigt

Die deutsche Bundesregierung hat die Ermordung einer deutschen Geisel auf den Philippinen bestätigt und als barbarischen Terrorakt verurteilt. "Nach Wochen der Sorge haben wir jetzt traurige Gewissheit: Eine deutsche Geisel ist von terroristischen Entführern auf den Philippinen barbarisch ermordet worden", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

Jürgen K. auf einem Bild aus 2009.  SN/afp
Jürgen K. auf einem Bild aus 2009.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteile die "abscheuliche Tat", die ein weiteres Mal zeige, wie gewissenlos und unmenschlich diese Terroristen vorgingen, sagte Seibert. "Wir alle müssen zusammenstehen und den Kampf gegen sie führen." Auch die philippinische Regierung verurteilte die "barbarische Enthauptung" des Opfers. Der Deutsche war im November bei einer Segeltour vor Malaysia entführt worden.

Die Terrorgruppe Abu Sayyaf hatte zuvor ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung des 70 Jahre alten Mannes zeigt, der im November entführt worden war. Zuerst hatte die philippinische Regierung die Tat bestätigt. Die deutschen Sicherheitsbehörden prüften das Video eingehend, bevor das Auswärtige Amt das Video ebenfalls für authentisch erklärte.

"Es gibt nun keinen vernünftigen Zweifel mehr, dass der auf den Philippinen entführte Deutsche nicht mehr am Leben ist. Wir sind zutiefst erschüttert über das unmenschliche und grausame Vorgehen der Täter", erklärte ein Sprecher des Ministeriums. "Wir verurteilen die Ermordung des Deutschen in aller Schärfe. Diese terroristische Tat ist durch nichts zu rechtfertigen." Man werde gemeinsam mit den zuständigen Behörden der Philippinen alles tun, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel sagte, Deutschland habe sich intensiv bemüht, den Mann freizubekommen. Der philippinische Präsidentenberater Jesus Dureza sagte, die Behörden hätten alles unternommen, um das Leben der Geisel zu retten. Die Bemühungen seien aber vergebens gewesen. "Der Terrorismus hat keinen Platz in unserem Land", erklärte Dureza weiter.

Die Philippinen sind strikt gegen die Zahlung von Lösegeld. Außenminister Perfecto Yasay sagte in Genf, sein Land halte an diesem Prinzip fest. Er hoffe auf technische Hilfe der Verbündeten des Landes, um den Aufenthaltsort der restlichen Geiseln auszumachen.

Der Mann war Anfang November entführt worden, als er zusammen mit seiner Lebensgefährtin in den Gewässern zwischen den Philippinen und Malaysia unterwegs war. Die 59 Jahre alte Frau wurde bei dem Überfall erschossen. Ihre Leiche wurde später auf der verlassenen Jacht der beiden, der "Rockall", entdeckt. Das Paar war mit demselben Boot 2008 schon einmal entführt worden, damals vor der Küste Somalias. Nach mehr als 50 Tagen kamen die beiden gegen Lösegeld frei.

Die Sulu-See gilt wegen der Piraten als eine der gefährlichsten Segelrouten überhaupt. Das deutsche Außenministerium rät "dringend" davon ab, in die Region zu fahren. Die Insel Jolo ist seit Jahrzehnten als Hochburg von Abu Sayyaf ("Träger des Schwerts") bekannt. Die Terrorgruppe, die für die Autonomie von der Zentralregierung in Manila kämpft, finanziert sich mit Entführungen. Mehrfach hatte sie auch schon Deutsche in ihrer Gewalt.

Die Extremistengruppe Abu Sayyaf hat nach Einschätzung von Sicherheitsexperten seit ihrer Gründung in den 1990er Jahren Dutzende Millionen Dollar an Lösegeld erpresst, von dem sie unter anderem Waffen und Schnellboote kaufte. Derzeit werden in der Gewalt der Abu Sayyaf noch 26 Geiseln vermutet, 13 Vietnamesen, sieben Philippino, ein Niederländer, ein Japaner, zwei Indonesier und zwei Malaysier. Im vergangenen Jahr hatten die Abu-Sayyaf-Extremisten zwei Kanadier enthauptet. Deren zwei Begleiter aus den Philippinen und Norwegen kamen frei.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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