Weltpolitik

Erneut Morddrohungen gegen Bosnien-Beauftragten Inzko

Der internationale Bosnien-Beauftragte Valentin Inzko ist erneut mit Morddrohungen von bosnischen Serben konfrontiert, nachdem er Anfang Jänner den umstrittenen Feiertag der Republika Srpska kritisiert hatte. Wie der Österreicher am Mittwoch gegenüber dem TV-Sender N1 erläuterte, habe er 5.000 Briefe mit der Botschaft "Inzko go home" erhalten, darunter auch 20 Morddrohungen.

Schwierige Aufgabe für den Kärntner Inzko.  SN/APA (Eggenberger)/GERT EGGENBERG
Schwierige Aufgabe für den Kärntner Inzko.

Über diese habe er die Staatsanwaltschaft benachrichtigt, sagte Inzko dem TV-Sender weiter. Die Briefe wurden von der Jugendorganisation der bosnisch-serbischen Regierungspartei, dem SNSD, verschickt, erläuterte der Hohe Repräsentant. Eine Drohung sei sogar gegen seinen Sohn gerichtet gewesen, berichtete Inzko.

Die Briefe enthielten unter anderem Formulierungen wie "Gavrilo Princip wird zurückkehren" oder "Am 28. Juni sollst Du dich in Acht nehmen" in Anspielung auf das Attentat auf den österreich-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand 1914 in Sarajevo. Einige Briefe waren auch auf Deutsch verfasst.

Inzko hatte den heuer besonders groß gefeierten bosnisch-serbischen Nationalfeiertag, der an die Gründung der Republika Srpska am 9. Jänner 1992 erinnert, kritisiert. Dieser war vom Verfassungsgericht Ende 2015 für verfassungswidrig erklärt worden, ebenso das daraufhin von bosnisch-serbischen Behörden organisierte Referendum. Bei diesem hatten sich die Bürger der Republika Srpska fast hundertprozentig für den strittigen Feiertag ausgesprochen.

Die bosnisch-serbische Regierung hatte unterdessen beschlossen, jegliche Kommunikation mit Inzko wegen dessen Kritik am Feiertag einzustellen. Er habe die bosnische Republika Srpska mit dem faschistischen Unabhängigen Staat Kroatien (NDH) im Zweiten Weltkrieg verglichen, behaupteten bosnisch-serbische Medien. Inzko hat die Behauptung bestritten. Der NDH (1941-45) war ein Vasallenstaat von Nazideutschland unter Diktator Ante Pavelic gewesen und hatte auch das Gebiet des heutigen Bosnien-Herzegowina umfasst. In ihm wurden Serben, Juden und Roma auf brutalste Weise verfolgt und ermordet.

In seiner Aussage habe er keinen Vergleich zwischen dem 9. Jänner und dem Gründungstag der NDH im Jahr 1941 gezogen, behauptete Inzko. Vielmehr sei es um einen Appell gegangen, die auf Spaltung ausgerichtete Rhetorik einzustellen. Die seit dem Ende des Bosnien-Krieges 1995 bestehende internationale Repräsentanz in Sarajevo wird vor allem von der bosnischen Serbenrepublik massiv angefeindet.

Quelle: APA

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