Weltpolitik

Erste Freitagsdemo in Algerien seit Wahltermin-Festlegung

Zum ersten Mal seit der Ankündigung von Präsidentschaftswahlen steht in Algerien wieder eine Freitags-Großdemo an. In Online-Netzwerken wurde zu einem Protest unter dem Motto "Sie werden alle gehen" aufgerufen. Hauptkritikpunkt der Demonstranten ist die Einsetzung seines langjährigen Weggefährten des zurückgetretenen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika, Abdelkader Bensalah, als Interimspräsident.

Proteste gehen weiter SN/APA (AFP)/RYAD KRAMDI
Proteste gehen weiter

Bensalah hatte am Mittwoch den Wahltermin auf den 4. Juli festgelegt und "transparente" Wahlen angekündigt. Viele vor allem junge Demonstranten sehen darin aber nur die Fortsetzung eines bestehenden Systems. "Ich werde nicht wählen. Wozu auch?", sagte der 22-jährige Walid in der Hauptstadt Algier. "Am Freitag werden wir ihnen zeigen, was wir meinen, wenn wir 'Haut ab!' rufen."

Was als Protest gegen Präsident Bouteflika begann, ist innerhalb von zwei Monaten zu einer Demonstration gegen die gesamte algerische Führungselite geworden. Die Demonstranten bemängeln, Wahlen könnten innerhalb des Systems, zu dem Bouteflika gehörte, weder frei noch fair sein. Der einflussreiche Armeechef Ahmed Gaid Salah wies die "unrealistischen Slogans" der Protestbewegung zurück.

Am Dienstag hatte die Polizei erstmals Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten eingesetzt. Am Freitag wurde zudem zum ersten Mal der Zugang zum alten Postgebäude in der Hauptstadt Algier abgeriegelt, einer Hauptanlaufstelle des Protestes. Die Regierungskritiker wollen sich davon aber nicht abhalten lassen: "Wir werden mit vielen Leuten kommen, mit sehr vielen", sagte der 23-jährige Yassine. "Sie haben keine Ahnung, was ihnen blüht."

Unterdessen kündigte auch der ehemalige General Ali Ghediri seine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl an. Er haben seine Kandidatur bereits beim Verfassungsrat eingereicht, sagte er Dzair News. Er warnte vor einer längeren Übergangsphase. Je länger die "Revolution" andauere, umso größere Sicherheitsrisiken bringe sie mit sich. "Die Zeit spielt gegen uns." Ghediri hatte bereits für die ursprünglich für den 18. April angesetzte Wahl kandidiert, die Bouteflika dann aber in einem Versuch, sich an der Macht zu halten, abgesagt hatte.

Quelle: Apa/Ag.

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