Weltpolitik

Erster Prozess um Zerstörung von Weltkulturerbe: Islamist verurteilt

Denkmäler der Welt zu vernichten, gilt als Kriegsverbrechen. Erstmals sprach der Internationale Gerichtshof einen Mann schuldig.

Im Sommer 2012 hatte die Jihadistenmiliz Ansar Dine, die mit Al-Kaida verbündet ist, die Wüstenstadt Timbuktu im westafrikanischen Mali überrannt und neun mittelalterliche Heiligengräber und eine Moschee zerstört. Weltweit war das Entsetzen groß.

Es ist der erste Prozess des Weltstrafgerichts zur Zerstörung von Weltkulturerbe, ein Kriegsverbrechen nach dem internationalen Strafrecht. Erstmals wurde auch ein mutmaßlicher Jihadist angeklagt. Der Angeklagte, der Jihadist Ahmad Al Faqi al Mahdi, hat die Tat gestanden. Er wurde am Dienstag vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag zu neun Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Kammer habe "einstimmig entschieden", den Angeklagten des "Kriegsverbrechens" schuldig zu sprechen, sagte Richter Raul Pangalangan.

Al Mahdi war im Prozess geständig gewesen und hatte bei der malischen Bevölkerung für die Zerstörung der Kulturstätten um Verzeihung gebeten.

Unesco spricht von wegweisender Entscheidung

Die Unesco hat die Verurteilung eines Dschihadisten für die Zerstörung von Weltkulturerbe in Mali als wegweisende Entscheidung begrüßt. Das Urteil des Weltstrafgerichts sei ein entscheidender Schritt, um die Straffreiheit für die Zerstörung von Kulturerbe zu beenden, teilte die Kulturorganisation der Vereinten Nationen am Dienstag in Paris mit. Der Schutz von Kulturerbe sei zu einem wichtigen Sicherheitsthema geworden, das nicht vom Schutz von Menschenleben getrennt werden könne.

"Absichtliche Angriffe auf die Kultur sind Kriegswaffen in einer weltweiten Strategie der kulturellen Säuberung", hieß es weiter. "Im Kontext wiederholter Gewalt gegen Menschen und ihr Erbe ist dieses Urteil des Internationalen Strafgerichtshofs ein Schlüsselelement der breiteren Antwort auf gewalttätigen Extremismus", sagte Unesco-Chefin Irina Bokowa.

Welche Kulturdenkmäler verloren sind

Timbuktu, Palmyra, Ninive - schon viele wertvolle Kulturdenkmäler sind religiösen Fanatikern zum Opfer gefallen.

Timbuktu: In der Oasenstadt im Norden Malis zerstörten islamische Ansar-Dine-Rebellen 2012 mehrere jahrhundertealte muslimische Mausoleen. Sie begründeten ihre Taten damit, die Stätten mit den Überresten islamischer Gelehrter hätten der Heiligenverehrung gedient. Die Mausoleen konnten nach Unesco-Angaben wieder aufgebaut werden.

Palmyra: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zertrümmerte im syrischen Unesco-Weltkulturerbe 2015 unter anderem den rund 2000 Jahre alten Baal-Tempel, den Baal-Schamin-Tempel, mehrere einzigartige Turmgräber sowie den Triumphbogen.

Mar Elian: 2015 machte der IS das christliche Kloster aus dem 5. Jahrhundert in Zentralsyrien dem Erdboden gleich. Im Internet zeigten die Extremisten, wie sie mit Planierraupen die Mauern niederrissen.

Ninive: Anfang 2015 zertrümmerte der IS im Museum der nordirakischen Stadt Mossul und an der Grabungsstätte Ninive Jahrtausende alte Statuen aus assyrischer Zeit. Die historische Stadt Nimrud südlich von Mossul sollen die Dschihadisten mit Bulldozern überfahren haben. Auch Teile der Unesco-Weltkulturstätte Al-Hadra sprengten sie.

Bamian-Tal: In Afghanistan sprengten die radikalislamischen Taliban 2001 zwei monumentale Buddha-Statuen. Die in den Fels geschlagenen Figuren waren Zeugen der präislamischen Vergangenheit Afghanistans.

Ayodhya: Fanatische Hindus verwandelten 1992 die Babri-Moschee im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh in ein Trümmerfeld, um an deren Stelle einen Tempel zu bauen. Angeblich wurde die Moschee 1528 an einem Ort errichtet, wo zuvor ein Hindutempel gestanden hatte.

Quelle: Apa/Dpa

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