Weltpolitik

Erster Prozess zum Terror der LRA-Miliz in Uganda

Im ersten Prozess um die Verbrechen der gefürchteten ugandischen Miliz LRA hat einer ihrer höchsten Kommandanten seine Unschuld beteuert. Dominic Ongwen wies am Dienstag vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag alle Vorwürfe zurück. Dem Ex-Kommandanten werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in 70 Fällen von 2002 bis 2004 zur Last gelegt.

Erster Prozess zum Terror der LRA-Miliz in Uganda SN/APA (AFP)/PETER DEJONG
Ongwen werden unfassbare Grausamkeiten vorgeworfen.

Die Anklage ist eine Chronik unvorstellbarer Grausamkeiten. Mord, Folter, sexuelle Versklavung, erzwungene Schwangerschaften, Einsatz von Kindersoldaten. "Viele Opfer waren sehr jung", sagte die Anklägerin Fatou Bensouda. Sie zeigte Videos und Fotos von brutal zerstückelten Leichen, auch von kleinen Kindern.

"Die LRA hat das getan, die LRA bin nicht ich, die LRA ist Joseph Kony", sagte der Angeklagte. "Im Namen Gottes weise ich alle Anklagepunkte zurück." Er sei selbst ein Opfer der Miliz. Als 14-Jähriger war Ongwen von Konys Männern entführt und zum Kämpfen gezwungen worden. Später stieg er auf bis zum Kommandanten. "Er war einer der brutalsten", wie Anklägerin Bensouda sagte. "Dominic Ongwen ist ein Mörder und Vergewaltiger."

Kronzeugen der Anklage seien Opfer und ehemalige LRA-Kämpfer, kündigte Bensouda an. Auch mit abgehörten Aufnahmen des Funkverkehrs des LRA-Kommandos will sie die Vorwürfe beweisen. Ongwen folgte den Darstellungen konzentriert, ab und zu machte er Notizen. Er hatte sich 2015 nach zehn Jahren auf der Flucht US-Truppen in der Zentralafrikanischen Republik ergeben. Der LRA-Führer Kony ist noch immer flüchtig.

Noch zu Beginn des Prozesses hatte die Verteidigung versucht, das Verfahren zu verhindern. Ongwen sei psychisch krank und nicht in der Lage, die Anklage zu verstehen, hatten die Verteidiger erklärt. Der Vorsitzende Richter, der Deutsche Bertram Schmitt, wies dies deutlich irritiert als "Verzögerungstaktik" zurück.

Seit der selbst ernannte Prophet Joseph Kony die christlich-fundamentalistische LRA 1987 im Kampf gegen die ugandische Führung gründete, töteten die Rebellen nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 100.000 Menschen und entführten etwa 60.000 Kinder. Eines davon war Ongwen, Sohn eines Lehrerehepaars aus dem nördlichen Bezirk Gulu. Schon als Kindersoldat soll er durch seine Loyalität gegenüber Kony, seine Unerschrockenheit und sein strategisches Geschick aufgefallen sein. Schnell stieg er in den Rängen der LRA auf und leitete schließlich eine ihrer vier Brigaden.

Kindersoldaten berichten von sadistischen Initiationsriten, die Ongwen vermutlich selbst durchlitt, bevor er andere damit quälte. Kinder mussten ihre Eltern, Geschwister und Freunde zu Tode prügeln und ihr Blut trinken. Das Kriegsverbrechertribunal beschuldigt Ongwen auch der Zwangsverheiratung und der erzwungenen Schwangerschaft - zwei Anklagepunkte, die der Strafgerichtshof zuvor noch nie erhoben hat. Während die Jungen zum Kampf gezwungen wurden, mussten Mädchen als Sexsklavinnen dienen. Ongwen soll mindestens sieben Frauen haben, von denen die jüngste bei der ersten Vergewaltigung zehn Jahre alt war.

Das Gericht macht den 41-Jährigen auch für die Tötung von Zivilisten zwischen 2002 und 2005 in vier Lagern im Norden Ugandas verantwortlich. Augenzeugen berichten von Gewaltorgien, bei denen Menschen Lippen und Ohren abgeschnitten worden seien. Ongwen habe seinen Soldaten befohlen, ihre Opfer zu kochen und zu essen, schilderte ein Zeuge.

Die Anklage in Den Haag stützt sich in diesem ersten Prozess gegen ein Mitglied der LRA auf 74 Zeugen und 5.800 Beweisstücke wie Funkmitschnitte, Fotos und Videos. Die Verteidigung will argumentieren, dass die eigene Traumatisierung als Kindersoldat Ongwen zum Mörder machte.

Das wird die zentrale Frage des Prozesses sein: Ist jemand für Verbrechen verantwortlich, die er nie begangen hätte, wenn er nicht selbst Opfer gewesen wäre? Ongwen selbst verneint. Zu Beginn des Prozesses plädierte er auf nicht schuldig: "Im Namen Gottes" wies er am Dienstag in Den Haag alle Anschuldigungen zurück. Und er hob hervor: "Ich bin nicht die LRA. Die LRA ist Joseph Kony."

Quelle: Apa/Ag.

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