Weltpolitik

Eskalation in Idlib: UNO bekräftigt Ruf nach Waffenruhe

Angesichts eskalierender Spannungen im syrischen Rebellengebiet Idlib haben die Vereinten Nationen ihre Rufe nach einem neuen Anlauf für eine Waffenruhe bekräftigt. Bei einer aktuell angesetzten Sitzung des UNO-Sicherheitsrates beschrieben der UNO-Vermittler für Syrien, Geir Pedersen, und UNO-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am Mittwoch ein düsteres Bild von der Lage vor Ort.

600.000 Menschen sind in der Region um Idlib auf der Flucht SN/APA (AFP)/AAREF WATAD
600.000 Menschen sind in der Region um Idlib auf der Flucht

In den vergangenen zwei Monaten seien knapp 600.000 Menschen in der Region um Idlib auf der Flucht gewesen, die meisten davon Kinder, sagte Lowcock. Die nicht von syrischen Truppen kontrollierten Gebiete seien zunehmend überfüllt. Wie auch Lowcock betonte Pedersen die "dringende Notwendigkeit" einer Waffenruhe.

Bei russischen Luftangriffen auf die Stadt Idlib wurden nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Menschenrechtsbeobachter am Donnerstag mindestens zehn Zivilisten getötet. Zuvor seien sieben Zivilisten von syrischer Artillerie bei Aleppo getötet worden. Die syrischen Truppen rückten weiter in das an die Türkei grenzende und von Islamistenmilizen beherrschte Rebellengebiet vor. Über getötete Islamistenkämpfer berichteten die Menschenrechtsbeobachter nicht.

Angesichts der eskalierenden Spannungen in der Region soll am Samstag eine Delegation aus Russland in die Türkei reisen, kündigte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu an. Russland ist Schutzmacht der syrischen Regierung, die in Idlib auf dem Vormarsch ist. Erdogan hatte Damaskus Mitte der Woche scharf gedroht, nachdem am Montag in Idlib unter syrischem Beschuss nach offiziellen Angaben sieben türkische Soldaten und ein ziviler Mitarbeiter des Militärs getötet worden waren. Die Türkei hatte daraufhin einen Vergeltungsangriff gestartet, bei dem mehrere syrische Soldaten ums Leben kamen.

Idlib ist nach fast neun Jahren Bürgerkrieg in Syrien das letzte große Rebellengebiet. Russland und der Iran als Unterstützer der syrischen Regierung sowie die Türkei als Unterstützer der Rebellen hatten Idlib 2017 zu einer sogenannten Deeskalationszone erklärt. Kontrolliert wird das Gebiet von der Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS), die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe steht.

In der Region leben nach Schätzungen rund drei Millionen Menschen. Zuletzt hatten die syrische Armee und sein Verbündeter Russland ihre Angriffe auf die Region verstärkt und größere Geländegewinne für sich verbucht. Dabei hatte es immer wieder schwere Luftangriffe und Artilleriebeschuss gegeben.

Am Freitag wurde bekannt, dass die syrische Luftabwehr beim Versuch, einen israelischen Angriff bei Damaskus abzuwehren, beinahe ein russisches Passagierflugzeug abgeschossen hätte. Der Airbus 320 sei auf dem von Russland kontrollierten Luftwaffenstützpunkt Khmeimim notgelandet, berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA. Moskau warf Israel vor, das Flugzeug als Schutzschild missbraucht zu haben, um die Reaktion der syrischen Flugabwehr zu behindern.

Quelle: Apa/Dpa

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