Weltpolitik

EU-Kommission: Datenmissbrauch durch Facebook inakzeptabel

Die EU-Kommission verurteilt Facebook wegen der Affäre um die Datenanalysefirma Cambridge Analytica. Aus europäischer Perspektive sei der Missbrauch persönlicher Daten für politische Zwecke "nicht akzeptabel", erklärte EU-Kommissionssprecher Christian Wigand am Montag in Brüssel.

Die EU-Kommission stehe bereits in Kontakt mit Facebook, und EU-Justizkommissarin Vera Jourova werde die Affäre bei ihrem Besuch in den USA in dieser Woche ansprechen.

Facebook gerät durch die Datenaffäre in Europa und den USA immer stärker unter Druck. Ein Sprecher der britischen Premierministerin Theresa May sagte am Montag, die Regierungschefin sei sehr beunruhigt, weil die britische Firma Cambridge Analytica mutmaßlich Daten von Millionen Facebook-Nutzern unerlaubt für Wahlwerbung nutzte. Die Daten von Bürgern müssten geschützt werden.

In den USA forderten zwei Senatoren, dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg wegen der Enthüllungen vor einem Gremium der Kongresskammer aussagt. Auch die EU-Abgeordneten wollen das Internet-Netzwerk unter die Lupe nehmen.

Die "New York Times" und der britische "Observer" hatten am Wochenende berichtet, dass Cambridge Analytica die privaten Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern anzapfte, um 2016 den US-Wahlkampf von Donald Trump zu unterstützen. Facebook selbst hatte bereits am Freitag erklärt, man habe 2015 erfahren, dass ein Professor der Universität Cambridge den Konzern belogen habe. Demnach nutzte er eine Psychologietest-Software, um Daten an Cambridge Analytica weiterzuleiten. Die Accounts der beteiligten Forscher und Firmen sind nach Angaben von Facebook inzwischen gesperrt.

Cambridge Analytica wies einen Missbrauch von Daten von Millionen Facebook-Nutzern vehement zurück. "Diese Facebook-Daten waren nicht Teil der von Cambridge Analytica an das Wahlkampfteam von Donald Trump geleisteten Dienste", teilte das Unternehmen am Montag mit.

In Großbritannien gerät auch der Chef von Cambridge Analytica, Alexander Nix, ins Visier. Der Vorsitzende des Digitalausschusses, Damian Collins, warf Nix vor, das Gremium bewusst getäuscht zu haben. Der Manager hatte im Februar gesagt, seine Firma nutze Facebook lediglich als Werbeplattform. "Wir nutzen Facebook-Daten nicht, und wir besitzen keine Facebook-Daten", hieß es damals.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani kündigte eine Untersuchung an. Es werde geprüft, ob Daten missbraucht worden seien. Zugleich rief er Facebook zu mehr Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Daten auf. Die EU-Kommission bezeichnete den Missbrauch persönlicher Daten für politische Zwecke als "nicht akzeptabel". EU-Justizkommissarin Vera Jourova will in dieser Woche bei ihrem US-Besuch mit dem Konzern und der Regierung in Washington über die Affäre sprechen.

In den USA forderten der republikanische Senator John Kennedy und seine demokratische Kollegin Amy Klobuchar Facebook-Chef Zuckerberg auf, sich zu erklären. In einem gemeinsamen Brief an den Vorsitzenden des Justizausschusses, Chuck Grassley, sprachen sie sich zudem dafür aus, auch die Chefs der Google-Mutter Alphabet und des Kurznachrichtendienstes Twitter vorzuladen. Die drei Unternehmen sammelten so viele Nutzerdaten wie nie zuvor. Die Abgeordneten beklagten zudem eine mangelnde Kontrolle darüber, wie Daten gespeichert werden und politische Werbung verkauft wird. Dies gebe im Hinblick auf Wahlen und Datenschutz Anlass zur Sorge.

Auch Facebook-Investoren zeigten sich alarmiert: Die Aktie fiel im New Yorker Mittagshandel um 7,5 Prozent. Der Analyst Brian Wieser vom Brokerhaus Pivotal Research zeigte sich überzeugt, dass Facebook mehr Druck von der Politik bekommen wird. "Das ist nach unserer Ansicht ein weiterer Hinweis auf systembedingte Probleme bei Facebook."

Facebook hatte am Freitagabend eingeräumt, dass Cambridge Analytica und einige Forscher die Auflagen des Netzwerks verletzt hätten. Die Zeitungen "New York Times" und "Observer" berichteten am Samstag, Cambridge habe seit 2014 persönliche Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern unzulässigerweise ausgewertet, die ihnen ein Forscher verkauft habe.

Quelle: Apa/Ag.

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