Weltpolitik

EU stattet Flüchtlinge in der Türkei mit Geldkarten aus

Unter dem EU-Türkei-Abkommen zur Eindämmung der Flüchtlingskrise hat die Europäische Union am Montag ein spezielles Geldkartenprogramm für Flüchtlinge gestartet. Mit den Prepaid-Karten können Flüchtlinge nach eigenen Bedürfnissen Geld am Automaten ziehen, Einkäufe erledigen, Mieten begleichen oder Bildungsangebote zahlen.

EU stattet Flüchtlinge in der Türkei mit Geldkarten aus SN/APA (AFP)/OZAN KOSE
Archivbild.

Fast 350 Millionen Euro stellt Brüssel für das Programm bereit. Jede einzelne Karte wird monatlich mit hundert türkischen Lira (30 Euro) aufgeladen. Ähnliche Karten für Flüchtlinge gibt es bereits in Jordanien.

Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, sagte zur offiziellen Einführung des Programms, die Karten gäben den Flüchtlingen ein wenig ein "Gefühl der Normalität" zurück. Das Programm sei eine "beispiellose Antwort" auf eine "beispiellose Krise". In der Praxis wird das Programm umgesetzt vom türkischen Roten Halbmond und dem UNO-Welternährungsprogramm (WFP) mit Unterstützung der türkischen Behörden. Es soll ab Oktober starten.

Die Türkei beherbergt rund drei Millionen Flüchtlinge, die meisten von ihnen stammen aus Syrien. Ankara und die EU hatten im März ein umfassendes Abkommen geschlossen, das den Flüchtlingsstrom nach Europa stoppen soll. Es sieht vor, dass die Türkei alle Flüchtlinge zurücknimmt, die auf den griechischen Ägäis-Inseln eintreffen und deren Asylanträge abgelehnt wurden.

Im Gegenzug nimmt die EU für jeden abgeschobenen Syrer auf legalem Weg einen anderen syrischen Flüchtling aus der Türkei auf. Das Kreditkarten-Programm ist Teil des fast sieben Milliarden Euro umfassenden Abkommens.

Am Montag ist auch die erste größere Rückführung seit Inkrafttreten des Pakts im April über die Bühne gegangen. Ein Schiff der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex brachte 70 Migranten von der griechischen Insel Lesbos in die türkische Küstenstadt Dikili. Wie das griechische Ministerium für Bürgerschutz mitteilte, handelte es sich ausschließlich um Männer, mehr als 50 von ihnen aus Pakistan, außerdem aus Sri Lanka, Algerien und Marokko. Die Männer hätten entweder keinen Asylantrag gestellt, oder ihrem Asylgesuch sei nicht stattgegeben worden.

Auf den griechischen Inseln Lesbos, Chios, Samos, Kos und Leros sitzen mittlerweile mehr als 14.000 Flüchtlinge und Migranten fest.

Quelle: Apa/Dpa

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