Weltpolitik

Evakuierung der Rebellengebiete Aleppos abgeschlossen

Die Evakuierung der Rebellengebiete der lange umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo ist endgültig abgeschlossen. Die letzten Zivilisten und Kämpfer hätten, die Stadt verlassen, berichteten mehrere regierungstreue Medien und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstagabend. Das Militär will in den nächsten Stunden den Vormarsch in die betreffenden Bezirke bekanntgeben.

Also doch Kriegsverbrechen: Das zerstörte Aleppo. SN/APA/AFP/GEORGE OURFALIAN
Also doch Kriegsverbrechen: Das zerstörte Aleppo.

Wenn die regimetreuen Truppen in die bisherigen Rebellengebiete vorgerückt sind, ist Aleppo das erste Mal seit 2012 wieder vollständig unter Kontrolle der Regierung und ihrer Verbündeten. Aleppo gehörte im fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg zu den am stärksten umkämpften Gebieten. In der Live-Übertragung des regierungstreuen Kanals Al-Mayadeen waren Freudenschüsse zu hören.

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben seit dem Beginn der Evakuierung Ost-Aleppos vor einer Woche mindestens 35.000 Menschen Ost-Aleppo verlassen. Die gewöhnlich gut informierte Beobachtungsstelle berichtet dagegen von maximal 27.000 Menschen, darunter 7.000 Kämpfer der Rebellen. Sie wurden in Gebiete unter Kontrolle von Rebellen südwestlich von Aleppo gebracht.

Mit dem Ende der Kämpfe in Aleppo ist der Bürgerkrieg in Syrien nicht zu Ende. Das Land ist weiter in Herrschaftsgebiete der Regierung, der Kurden, diverser Rebellen und der Terrormiliz "Islamischer Staat" unterteilt. Türkische Truppen und verbündete Milizen rücken in blutigen Kämpfen gegen den IS und gegen die Kurden vor. Ein US-geführtes Bündnis fliegt Angriffe gegen die Extremisten.

Unterdessen hat die UNO-Vollversammlung mit 105 Stimmen bei 15 Nein-Stimmen und 52 Enthaltungen beschlossen, dass eine Arbeitsgruppe Beweismaterial zu den in Syrien begangenen Kriegsverbrechen sichern soll. Die Resolution wurde von Deutschland mit eingebracht, dagegen stimmten unter anderen Russland, der Iran und China.

Die Sammlung von Beweisen schafft die Voraussetzung dafür, dass im Syrien-Konflikt begangene Kriegsverbrechen eines Tages von der internationalen Justiz geahndet werden können. Die Arbeitsgruppe soll eng mit einer seit einigen Jahren tätigen UNO-Untersuchungskommission zusammenarbeiten, die bereits mehrere Berichte über Gräueltaten im syrischen Bürgerkrieg veröffentlicht hat.

Quelle: Apa/Ag.

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