Weltpolitik

Ex-Juntachef neuer Präsident von Sierra Leone

In Sierra Leone hat Oppositionskandidat Julius Maada Bio die Präsidentschaftswahl für sich entschieden. Er kam nach offiziellen Angaben vom Mittwoch auf knapp 52 Prozent der Stimmen und setzte sich gegen den ehemaligen Außenminister Samura Kamara durch. Maada Bio wurde kurz vor Mitternacht im Amt vereidigt.

Julius Maada Bio (links) wurde bereits vereidigt SN/APA (AFP)/SAIDU BAH
Julius Maada Bio (links) wurde bereits vereidigt

"Dies ist die Morgenröte einer neuen Ära", sagte er. "Die Bevölkerung dieser großartigen Nation hat dafür gestimmt, eine neue Richtung einzuschlagen." Auf Maada Bio kommt nun die schwierige Aufgabe zu, die Wirtschaft des verarmten westafrikanischen Landes wieder in Schwung zu bringen, die nach der Ebola-Epidemie und einem weltweiten Verfall der Rohstoffpreise eingebrochen war.

Maada Bio hat Sierra Leone bereits als Chef einer Militärregierung kurzzeitig im Jahr 1996 regiert. Der Ex-Juntachef hatte im Jänner 1996 mit einem Putsch den damaligen Militärmachthaber Valentine Strasser gestürzt und bis zur ersten freien Wahl in Sierra Leone wenige Monate später vorübergehend die Regierungsgeschäfte übernommen. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 war er Amtsinhaber Ernest Koroma unterlegen. Dieser durfte nun nach zwei Mandaten nicht mehr antreten. Der bisherige Außenminister Kamara galt seit Jahrzehnten als politischer Strippenzieher hinter den Kulissen.

Die Wahl blieb weitgehend friedlich. Sie galt als Test für die demokratische Konsolidierung Sierra Leones, wo in den Jahren 1991 bis 2002 ein verheerender Bürgerkrieg tobte, dem 120.000 Menschen zum Opfer fielen. Zwischen 2014 und 2016 litt das Land unter der Ebola-Epidemie. Der westafrikanische Staat zählt trotz seiner Bodenschätze zu den ärmsten Ländern der Welt.

Quelle: Apa/Ag

Aufgerufen am 20.11.2018 um 07:45 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/ex-juntachef-neuer-praesident-von-sierra-leone-26277316

Schlagzeilen