Weltpolitik

Faktencheck zu Strache-Sager: IS kaum Akteur in Aleppo

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat am Wochenende Russland für "die Vertreibung der Terrormiliz IS aus Aleppo" gedankt.

Strache hat undifferenzierter Sichtweise.  SN/APA (Archiv/AFP)/VLADIMIR SIMICE
Strache hat undifferenzierter Sichtweise.

Ein Faktencheck zeigt, dass die nordsyrische Stadt im fünfjährigen Bürgerkrieg nie zu dem vom sogenannten "Islamischen Staat" (IS) kontrollierten Gebiet gehörte.

Der IS sei auch "nie ein maßgeblicher Akteur in Aleppo gewesen", stellt Brigadier Walter Feichtinger klar.

Der Leiter des Instituts für Friedenssicherung und Konfliktmanagement (IFK) an der Landesverteidigungsakademie in Wien betonte am Montag gegenüber der APA, dass sich auch bei den Kämpfen in den letzten Monaten keine IS-Kämpfer in Aleppo befunden hätten.

Der Ostteil der zweitgrößten syrischen Stadt wurde seit Sommer 2012 von verschiedenen Rebellengruppen kontrolliert. Die zahlreichen Gruppierungen gehörten einem heterogenen Spektrum an: Einige wie die Nachfolger der Freien Syrischen Armee (FSA) werden im Westen allgemein als moderat eingestuft und von den USA unterstützt, andere gelten als radikalisiert.

Zwar kooperieren einige Gruppen mit der mit der Al-Kaida verbundenen früheren Al-Nusra Front, der Jabhat Fatah al-Sham, der IS wird jedoch von fast allen Gruppen bekämpft.

Das Gebiet, in dem die Terrormiliz IS ihr sogenanntes "Kalifat" errichtet hat, erstreckt sich über Gebiete im Norden und Osten Syriens. Die größte Stadt, welche in Syrien vom IS kontrolliert wird, ist die Stadt Raqqa rund 200 Kilometer östlich von Aleppo.

Das syrische Regime bezeichnet alle Gegner von Machthaber Bashar al-Assad prinzipiell als "Terroristen". Auch Russland begründete seine Luftangriffe auf gemäßigte Milizen mit dem "Kampf gegen den Terror".

Die USA befürchten dagegen, dass sich die aus Aleppo vertriebenen relativ moderaten Aufständischen nun radikalisieren könnten und vermehrt mit der islamistischen Jabhat Fatah al-Sham verbinden könnten.

Auch Feichtinger bestätigt diese Befürchtung: "Der Trend, den wir zur Zeit erkennen, ist, dass jene Rebellen, die weiterkämpfen wollen, sich zunehmend radikalisieren", sagt er.

Auch die Feststellung Straches, dass durch die "Befreiung Aleppos" Terror gegen die Bevölkerung "gemildert" worden sei, widerspricht der gängigen Einschätzung in Europa und den USA. Die westliche Staaten machen Moskau für Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung in Ost-Aleppo mitverantwortlich.

Quelle: APA

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